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Mittwoch, 2. Februar 2011

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Wie wirksam kann das neue deutsche Gesetz zur ZWANGSEHE sein?

Frau in Senegal, 2004/Bernard bill5 /
Creative Commons Attribution-Share Alike
Wikimedia Commons


Da das in letzter Zeit in Deutschland sehr kontrovers diskutierte Thema Integration ohnehin zu unseren Blog-Basics gehört, möchten wir den heute erschienenen "tagespiegel.de"-Artikel von Tissy Bruns zum Kernthema "Zwangsehe" hier ausnahmsweise in voller Länge veröffentlichen. 
Zwangsehe wird hierzulande zwar - wenn überhaupt - hauptsächlich in Zusammenhang mit den türkischen MitbürgerInnen in Deutschland erwähnt, betrifft aber auch zahllose junge Frauen aus Afrika, deren Herkunft und kultureller Hintergrund entweder afrikanisch-muslimisch oder aber tribal-traditionell geprägt ist. Denn auch - und gerade - in Afrika gehören Zwangsehen für Frauen und Mehrfach-Verheiratungen der Männer - Polygamie also, dialektisch auch drastisch als "Vielweiberei" bezeichnet - zum traditionell geprägtem Alltag. Das führt dann auch hier in Deutschland - z.B. bei Asylverfahren oder Unterhaltsstreitigkeiten - oft zu rechtlichen Komplikationen allgemeiner Art, vor allem aber zu einer massiven Rechtsunsicherheit der betroffenen Frauen.


Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten
von Tissy Bruns/ tagesspiegel.de/Meinung - Kontrapunkt


Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten


Tissy Bruns erklärt in ihrem heutigen "Kontrapunkt", warum das neue Gesetz gegen Zwangsheiraten keine Kosmetik ist, sondern überfällig - und die Grünen mit ihrer Kritik unrecht haben.


Zwangsheiraten sind nicht erlaubt in Deutschland. Sie können als „schwere Nötigung“ juristisch geahndet werden, die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren. Die Grünen kritisieren deshalb die gesetzliche Neuregelung der Zwangsheirat als bloße „Kosmetik“, die heute von der schwarz-gelben Bundesregierung - als Teil des Gesetzentwurfs zur Integration - beschlossen worden ist. Tatsächlich ändert sich am Strafmaß nichts. Doch die Zwangsheirat wird zum eigenen Straftatbestand – und das ist keine Kosmetik, sondern überfällig. Sie wird endlich ausdrücklich verboten. Der humane Gehalt der gesetzlichen Neuregelung wird zudem in einer zweiten Neuregelung deutlich: Junge Frauen, die hier ausgewachsen sind und in der Türkei in eine nicht gewollte Ehe gedrängt werden, erhalten ein Rückkehrrecht nach Deutschland, das zehn Jahre gilt. Bisher ist es nach sechs Monaten erloschen.

Recht wirkt auch durch seine Normen, nicht nur wegen der Strafen, die es verhängen kann. Darauf haben die Grünen Wert gelegt, als sie um schwierige gesetzliche Neuregelungen wie die Vergewaltigung in der Ehe oder zur elterlichen Ohrfeige gekämpft haben. Vergewaltigung in der Ehe oder Gewalt gegen Kinder seien durch andere Gesetze ohnehin unter Strafe gestellt, lauteten damals die Einwände. Und problematisch sei überdies, dass die juristische Verfolgung regelmäßig an der Lebenswirklichkeit scheitern würde. Beide Einwände hatten ihren wahren Kern, so wie es einen wahren Kern hat, dass die Strafverfolgung der Zwangsheirat, ob nun als Nötigung oder als eigener Straftatbestand, schwierig ist und bleiben wird.

Muslimische Frauen und Mädchen: Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung. - Foto: AFP/Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten

Trotzdem war es richtig, die Vergewaltigung in der Ehe und körperliche Gewalt als Erziehungsmittel ausdrücklich zu verbieten. Heute bezeichnen wir es als „rückständige Erziehungsmethoden“, wenn türkische oder deutsche Väter ihre Söhne prügeln. Darin spiegelt sich auch die normative Wirkung von Recht und Gesetz. Es ist noch nicht sehr lange her, dass der Satz „Eine Ohrfeige hat noch nie jemandem geschadet“ der deutsche Mainstream in Erziehungsfragen war. Oder die mütterliche Ankündigung „Warte nur, bis Vati nach Hause kommt“ als Ankündigung einer Tracht Prügel verstanden werden musste.
Das ausdrückliche Verbot von Zwangsheiraten kann einen ähnlichen Wandel einleiten, weil es die Mädchen und Frauen stärkt, die potentiell oder tatsächlich Opfer von Haltungen werden, die ihre Eltern aus ihren kulturellen Traditionen mitbringen. Erzwungene Ehen verletzten den Kern des freiheitlichen Rechtstaates, sie widersprechen Artikel 1, 2 und 3 des Grundgesetzes. Die Gleichgültigkeit, mit der die so genannte Mehrheitsgesellschaft über Jahrzehnte hingenommen hat, dass mitten in unserer Gesellschaft Grundrechte verletzt werden, ist eine der wichtigsten Ursachen für unsere Integrationsprobleme. Denn zur Integration in unser Werte- und Grundrechtssystem kann doch nur glaubhaft auffordern, wer ihre Verletzungen nicht tatenlos hinnimmt.
Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung waren und sind junge muslimische Mädchen. Eine jahrzehntelange Dickfelligkeit vereint die „Multikultis“ auf der rot-grünen Seite und die schwarzen Realitätsverweigerer, die den Tatbestand der Zuwanderung zu lange geleugnet haben. Die einen dachten: Wird schon alles gut gehen. Die anderen: Die werden schon wieder fortgehen. Entgegengesetzte Haltungen, doch gleiche Wirkung. Migranten wurden weder gefordert noch gefördert. Und erst recht nicht Migrantinnen.
Sie stehen wie niemand sonst im Feuer der Konflikte zwischen tradierten Rollenerwartungen ihrer Familien und den Selbstbestimmungsversprechen unserer Gesellschaft. Sie haben am meisten zu verlieren, wenn sie sich ungewollten Rollenwartungen nicht entziehen können. Sie sind aber auch die Hoffnungsträgerinnen der Integration. Denn sie haben am meisten zu gewinnen, wenn sie gelingt. Nämlich die Freiheiten, die ihren deutschstämmigen Schwestern selbstverständlich sind, die selbst bestimmte Entscheidung über Berufswahl, Liebe, Ehe, Kinderwünsche. Deshalb ist das ausdrückliche Verbot der Zwangsheirat richtig. Nicht nur als Botschaft an diese Mädchen und Frauen, sondern als eine an alle Menschen in diesem Land gerichtete Aufforderung zur Achtung unserer Grundwerte."
Exotic Morocco. Marrakesh. Veiled Women./Steve Evans from India and USA/Creative Commons Attribution 2.0 Generic /Wikimedia Commons

Zwangsehen: Bund verbessert Opferschutz
zdf.de / Mit Material von dpa, dapd und afp


"...So sollen Zwangsheiraten künftig unter Strafe gestellt werden. Es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Bisher können Zwangsehen nur als schwere Nötigung geahndet werden. Die Höchststrafe liegt zwar schon jetzt bei fünf Jahren, doch mit der Neuregelung wird eine juristische Verfolgung leichter. Opfer sollen besser geschützt werden: Wer im Ausland zur Heirat gezwungen wird, soll ein Rückkehrrecht bekommen. Auch Scheinehen sollen schärfer bekämpft werden. Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht soll ein Partner erst nach drei Jahren Ehe erhalten. Derzeit liegt die Grenze bei zwei Jahren...

....Grüne: Reine Kosmetik
Kritk aus den Reihen der Opposition ließ nicht lange auf sich warten. Die Grünen nannten speziell den Gesetzentwurf der Koalition gegen Zwangsheirat unnütz: "Zwangsheirat ist heute schon strafbar", sagte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. "Das ist kosmetische Gesetzgebung."

Beck verlangte, wer das Problem stärker angehen wolle, müsse den Opferschutz verbessern. Er warf der Koalition vor, mit geplanten Sanktionsverschärfungen gegen Integrationsunwillige von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. "Das Reden über Sanktionsmöglichkeiten ist ein Ablenkungsmanöver, weil gleichzeitig Mittel für die Integrationskurse gekürzt werden."



Härtere Gesetze für Integration
Autor: Siegfried Scheithauer (afp,dapd,dpa,epd)/DW.de

"...Rückkehrrecht für Opfer von Zwangsheirat    

Wie angekündigt widmete sich das Kabinett auch dem Schutz ausländischer Frauen und Jugendlicher gegen Zwangsheirat und dem heiklen Thema Scheinehen. Zwangsverheiratungen galten bisher als "qualifizierte Nötigung". Nach den Vorhaben der Koalition soll die Verheiratung junger Migrantinnen gegen ihren Willen nun ein eigener Straftatbestand werden. Es drohen sechs Monate bis fünf Jahre Freiheitsentzug. Auch der Versuch soll strafbar sein.
Die Aufnahme ins Strafgesetzbuch ist für die liberale Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger eine "Klarstellung", daher auch ein "Fortschritt". Sie räumte allerdings ein, dass damit wohl "keine größere Abschreckung" verbunden sei. Auch die Strafverfolgung sei schwierig, da die Polizei auf Hinweise aus dem Umfeld des Opfers angewiesen bleibe, und in diesem Umfeld werde eine Zwangsheirat nicht als Unrecht bewertet. Zentrales Element - so Leutheusser-Schnarrenberger - bleibe die Einführung eines Rückkehrrechts für Frauen, die im Ausland in eine Ehe gezwungen worden seien.

Ausländische Familie mit Kinderwagen bummelt durch Berlin (Foto: dpa/Archiv)
Vor allem in den deutschen Großstädten haben immer mehr Bürger mittlerweile ausländische Wurzeln/Härtere Gesetze für Integration 
 Andere Koalitionspolitiker sprachen von einem deutlichen Signal, dass Zwangsverheiratung "kein Kavaliersdelikt" sei. Den Eltern müsse die "kriminelle Dimension" klar vor Augen geführt werden. 
Zur Bekämpfung so genannter Scheinehen hat sich die Regierung zudem darauf verständigt, dass eine Ehe mindestens drei Jahre bestehen muss, bevor sie einem Ehepartner aus dem Ausland zu einem eigenen "Aufenthaltstitel" verhilft. Bislang lag die Grenze bei zwei Jahren. In Härtefällen sollen Betroffene dieses Recht auch schon schneller erhalten, zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, so der Entwurf der christlich-liberalen Koalition..." 
Wedding in Kounkane, Upper Casamance, Senegal)/ Dorothy Voorhees/ Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 
/Wikimedia Commons

Fotos: Thank you! Dankeschön!
1. Frau mit Kindern aus Senegal /Bernard bill5  / Creative Commons Attribution-Share Alike/ Wikimedia Commons/ 
GNU Free Documentation License, Version 1.2    
2. Muslimische Frauen und Mädchen: Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung. - Foto: AFP/Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten/Tagesspiegel.de  
3. Exotic Morocco. Marrakesh. Veiled Women./Steve Evans from India and USA/Creative Commons Attribution 2.0 Generic /Wikimedia Commons 
4. Vor allem in deutschen Großstädten haben immer mehr Bürger mittlerweile ausländische Wurzeln / Härtere Gesetze für Integration  
5. Wedding in Kounkane, Upper Casamance, Senegal)/
Dorothy Voorhees/ Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 
/Wikimedia Commoms
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Dienstag, 24. August 2010

Sieger in Berlin: Gäste aus Afrika und USA beim Istaf 2010

Lagat vor seinem Heimspiel in Berlin: „Ich bin ein halber Deutscher“


Bernard Lagat: Der laufende Weltbürger
Von Michael Reinsch, Berlin/FAZ.NET


"Er stammt aus Kenia, ist amerikanischer Staatbürger, hat eine kanadische Frau und einen chinesischen Trainer. „Global, das ist das Wort“, sagt Bernard Lagat: „Ich bin ein Bürger der Welt.“ Diesen Sonntag startet der laufende Weltbürger beim Istaf...


"... Miika wird das Rennen am Sonntagnachmittag nicht im Fernsehen verfolgen müssen. Er begleitet mit seiner kleinen Schwester und seiner Mutter den Vater zur Arbeit nach Berlin. „So reisen wir am liebsten“, sagt Bernard Lagat. „In unserem Hotelzimmer ist immer etwas los. Ich habe gar keine Gelegenheit, an das Rennen zu denken und nervös zu werden.“...
.....Das sind so die Aufgaben, die ein Vater zu meistern hat. Bernard Lagat geht sie optimistisch an. Schließlich ist er der Doppel-Weltmeister über 5000 und 1500 Meter von Osaka 2007, Hallen-Weltmeister über 3000 Meter von Budapest 2004 und Doha 2010 sowie Gewinner verschiedener Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Für seinen Start an diesem Sonntag beim Istaf im Berliner Olympiastadion hat er seinen australischen Manager James Templeton ein paar besonders schnelle Tempomacher bestellen lassen. Wenn er über die 3000 Meter schon aus dem Rennen um die Diamanten ist, will er doch beweisen, dass er die Bestzeit von 7:32,49 Minuten, mit der er in Doha den Titel gewann, unterbieten kann...

...Vor bald 36 Jahren in Kapsabet im Rift Valley von Kenia geboren, hat das Laufen Lagat zu einem Weltbürger gemacht. Ein Stipendium brachte ihn 1997 an die Washington-State-Universität. Als er 2003 amerikanischer Staatsbürger wurde, hatte er schon sechs Sommer in Deutschland zugebracht. „Global, das ist das Wort“, sagt Lagat. „Ich stamme aus Kenia, bin Amerikaner, habe einen chinesischen Trainer, James Li, und eine kanadische Frau. Ich bin ein Bürger der Welt.“
Er lernte seine Frau Gladys Tom, die einen japanischen Familienhintergrund hat, an der Hochschule kennen, an die James Li ihn mit einem Stipendium geholt hatte. Miika trägt als zweiten Vornamen den kenianischen Namen Kimutai, und der Name seiner Schwester Gianna verweist auf die Liebe der Eltern zu Italien. Gemeinsam leben sie in Tucson in Arizona. Es war der Stadtlauf, der Bernard Lagat nach Tübingen brachte. Seitdem ist er mit dem Leiter des Laufs, dem Kinderarzt Frieder Wenk, befreundet, seitdem fliegt er im Sommer von Stuttgart aus in die Welt, seitdem liebt er die Laufstrecken in den Wäldern um Tübingen. Seit einigen Jahren hat er ein eigenes Häusle. Als Lagat 2007 als Doppelweltmeister aus Osaka heimkehrte, empfingen ihn Stadt und Bürgermeister als Tübinger. „I bin a Schwob“, sagt Lagat akzentfrei. „Ich bin ein halber Deutscher.“



Weltrekord und deutsche Siege beim ISTAF  
Autor: Andreas Ziemons (mit dpa/sid)/DW.de

"Beim Internationalen Stadionfest (ISTAF) in Berlin stellt ein Kenianer eine neue 800-Meter-Bestmarke auf. Auch die deutschen Leichtathleten jubeln. In fünf Disziplinen schaffen sie es ganz nach oben aufs Treppchen.

Mit einem 800-Meter-Weltrekord aus dem Nichts hat David Rudisha das mit Spannung erwartete Comeback von 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya und fünf deutsche Siege überstrahlt. In 1:41,09 Minuten löschte der 21 Jahre alte Kenianer die bereits 13 Jahre alte Bestmarke seines früheren Landsmanns Wilson Kipketer aus. Kipketer, der zwischenzeitlich die dänische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, war damals 1:41,11 Minuten gelaufen.

Laufszene David Rudisha (Foto: dpa)
So schnell wie David Rudisha war zuvor noch niemand über die doppelte Stadionrunde


"Ich habe heute morgen schon beim Aufstehen geahnt, dass ich ein großes Rennen laufen würde, und ich habe meinen Traum wahrgemacht", meinte ein überglücklicher David Rudisha, der damit gleichzeitig sein WM-Trauma von 2009 besiegte. Ebenfalls in Berlin hatte der zweimalige Afrikameister vor einem Jahr das WM-Finale verpasst..."

Kenianer Rudisha läuft 800-Meter-Weltrekord 

Rudisha verbessert Weltrekord über 800 m

Weltrekord in Berlin: David Rudishas triumphale Rückkehr  

Rudisha läuft Weltrekord über 800 Meter 



In der Stadt ihres größten Triumphes. Genau ein Jahr und drei Tage nach dem WM-Titel startet Caster Semenya wieder in Berlin. Foto: dpa - Foto: dpa

Caster Semenya siegt in Berlin
Von Anke Myrrhe / tagesspiegel.de

"...Der Applaus war freundlich, wohlwollend – aber keineswegs begeistert. Vielleicht hatte sich Caster Semenya ein wenig mehr erhofft, als ihr Name aufgerufen wurde bei der Vorstellung der 800-Meter-Läuferinnen im Olympiastadion. Schließlich hatte sie hier vor fast genau einem Jahr in dieser Disziplin überragend den WM-Titel gewonnen, mit nur 18 Jahren. Doch da waren die Spekulationen bereits unwiderruflich im Umlauf. Spekulationen, dass diese junge Läuferin womöglich gar keine Frau sein könnte. Riesig war ihr Vorsprung gewesen, in 1,55:45 Minuten hatte sie ihre Konkurrentinnen deklassiert. Das und ihr kantiges Aussehen schürten die Gerüchte. Als sie nun am Sonntag auf dieselbe blaue Bahn zurückkehrte, war beides nicht mehr so eindeutig. Aber Semenya siegte wieder. In 1:59,90, Minuten, immerhin in einer neuen Saisonbestleistung. Zum ersten Mal lief die Läuferin, die man elf lange Monate wegen der Spekulationen um ihr Geschlecht nicht hatte starten lassen, wieder unter 2:00 Minuten.
Sie wollte sich feiern lassen dieses Mal. Doch auch bei Semenyas Ehrenrunde wollte die Stimmung nicht so recht aufkommen. Gleichzeitig sprang nebenan gerade Ariane Friedrich ihren zweiten Versuch. Das war natürlich etwas ungünstig. Und trotzdem wirkte die Südafrikanerin einigermaßen zufrieden, genau ein Jahr und drei Tage nach dem größten Erfolg ihrer jungen Karriere und dem Beginn der Spekulationen endlich zurück zu sein. „Hier zu sein, bringt natürlich die Erinnerungen zurück“, sagte die immer noch eingeschüchtert wirkende19-Jährige. „Das Publikum hat mich nett empfangen, es war gut, ich habe mich zu Hause gefühlt.“ Was soll sie auch sagen? „Das Ganze war nicht leicht für ein 19-Jähriges Mädchen“, deutet sie die Leidenszeit kurz an. Elf Monate lang, hatte sie nicht starten dürfen. Fast ein ganzes Jahr. Im Leben eines Sportlers eine Ewigkeit. Bis März hatte sie gar nicht trainiert, sagt sie. Vor fünf Wochen kehrte sie dann, im finnischen Lappeenranta auf die Bahn zurück – und siegte.  Entwürdigend waren die monatelangen Diskussionen. Es wird nun spekuliert, dass der Weltverband IAAF sie sogar gedrängt habe, sich einer Hormonbehandlung oder gar einer Operation zu unterziehen, um wieder starten zu dürfen. Semenya sagt dazu nichts. Fragen Sie die IAAF, ist ihr Kommentar. „Ich spreche nur über die Zukunft. Ich bereite mich auf die Olympischen Spiele vor.“..."



Debatte Gender: Der Kampf mit der Biologie  


Caster Semenya: Kommentar abgelehnt  

Leichtathletik: Caster Semenya will zurück zur Normalität 

Die Athletin und die Big Boys

Der Fall Caster Semenya: Sport ist nicht gerecht





Kugelstoßer Reese Hoffa: Verletzte Seele in einem massigem Körper - Mehr Sport - Sport - FAZ.NET 
Von Michael Reinsch, Berlin / FAZ.NET

"Mit vier ins Waisenhaus, bei Adoptiveltern aufgewachsen, und lange auf der Suche nach der leiblichen Mutter - der amerikanische Kugelstoßer Reese Hoffa hat eine hollywoodreife Vergangenheit.

...Seit er, im selben Jahr in London, mit seiner Drehtechnik 22,43 Meter erreichte, ist er der viertbeste Kugelstoßer des vergangenen Jahrzehnts. „Ich bin der Kleine unter den Giganten“, sagt er, der sich mit 1,90 Meter gegenüber Weltmeister Christian Cantwell (1,98 Meter) und Olympiasieger Tomasz Majewski (2,04) benachteiligt fühlt. „Die Kugel weit zu stoßen, ist toll“, sagt er „Aber es ist die Persönlichkeit, die das Publikum anzieht. Wir brauchen Typen wie Adam Nelson, die ihr Trikot auf die Erde schmeißen und verrückt spielen.“...

...Das ist die eine Seite von Reese Hoffa. In seinem massigen Körper wohnt aber auch die kleine, verletzte Seele eines Jungen, der mit vier seine Mutter und seinen großen Bruder verlor und erst vor zehn Jahren wiederfand. Aufgewachsen in einer Bauernfamilie mit vier Geschwisterkindern konnte er nie die Erinnerung an die Tragödie bannen, die sein Leben aus der Bahn warf. „Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mir geholfen haben, meine Talente zu entwickeln“, sagt er. „Ohne sie wäre ich nie der geworden, der ich heute bin.“ Das Ehepaar Hoffa aus Bardstown in Kentucky, das ihn mit fünf Jahren adoptierte, ließ ihn seinen Namen wählen. Nach einem Fernsehhelden wurde Michael Reese daraus...."


Fotos: Thank you! Dankeschön!!!


1. Bernard Lagat/FAZ.NET
2. David Rudisha/DW.de/Andreas Ziemons/picture alliance/dpa
3. Caster Semenya/tagesspiegel.de/dpa
4.& 5. Reese Hoffa/FAZ.NET/Bildmaterial: AFP, AP

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Samstag, 14. August 2010

AFRIKA erleben - nicht nur auf der Durchreise

Das Lächeln täuscht. Anfangs begegneten die Einheimischen Nina mit Skepsis – weil sie weit und breit die einzige Weiße war. Foto: privat/der Tagesspiegel



Reisen nach Afrika stehen in diesem Jahr hoch im Kurs, wohl nicht zuletzt wegen der ausführlichen, monatelangen Berichterstattung rund um die Fußball-WM. 

Da hat sogar mancher Lust auf's Selber-Anschauen und - Kennenlernen bekommen, der den "Schwarzen Kontinent" zuvor stets als "viel zu weit weg", als "zu gefährlich" oder gar als "unzumutbar zum entspannten Ferienmachen" angesehen hat.



In der Hoffnung, dass auch der sich nun endlich hintrauen wird, wollen wir unseren Blick heute aber auf eine andere "Reisegruppe" richten: Deutsche, die nach Afrika reisen, weil sie ein Anliegen oder gar eine Aufgabe haben. Nein, nicht die prominenten, presse-begleiteten "Gutmenschen" aus Politik und Showbusiness, auch nicht die mit dem missionarischem Eifer und der Bibel im Handgepäck. 

Gemeint sind Menschen, die einfach sich selbst, ihren Wissensdurst und ihre Fähigkeiten miteinbringen wollen in das Zusammentreffen mit Afrika und seinen Menschen.

Ein auffallend anderes Jahr
Von Lea Hampel /Der Tagesspiegel

Austauschjahr Ein auffallend anderes Jahr

Nina Herfert arbeitete an einer Mädchenschule in Kenia – und musste gegen etliche Vorurteile ankämpfen.

Dass es anstrengend sein würde und vielleicht gefährlich, das war ihr vorher klar. Dass es ein solches Problem sein könnte, weiß zu sein, damit hat Nina Herfert nicht gerechnet. Ein Jahr lang hat das Anderssein ihren Alltag bestimmt. Kinder sind weinend weggelaufen, weil Nina die erste Weiße war, die sie sahen. Menschen haben sie gefragt, ob ihre blonden Haare echt seien, immer wieder schauten Leute erstaunt, wenn sie erzählte, dass sie ihre Wäsche selbst wäscht.
Doch genau das, diese neuen, nicht immer angenehmen Erfahrungen, hat Nina Herfert in Kenia gesucht, in ihrem Jahr an der Kaaga Girls High School in Meru, einer 40 000-Einwohner-Stadt im Zentrum des Landes. Dass auch nach zwölf Monaten manches sie belustigt oder schockiert, hat wohl viel damit zu tun, dass sie wenig konkrete Vorstellungen hatte, sondern vielmehr ein diffuses Kribbeln wenn das Stichwort „Afrika“ fiel. „Ich bin ein Mensch, der nicht lange an einem Ort sein kann“, sagt die 20-Jährige. Und sie ist neugierig....

....Ihre Aufgaben in Meru gehen weit über Unterricht hinaus. Eine Art Mädchen für alles ist sie geworden – weil sie Dinge kann, die dort ungewöhnlich sind. Zum Beispiel schnell tippen. Oder den Kopierer bedienen. Außerdem hat sie ein Brieffreundeprojekt mit ihrer alten Schule in Berlin initiiert und Geld gesammelt für Schülerinnen, die sich das Schulgeld nicht leisten können.
Obwohl es ihr Traum war, nach Afrika zu gehen, war die Zusage letztlich ein kleiner Schock. „Ich wusste einfach nicht, was auf mich zukommt.“ Heute lacht Nina, wenn sie darüber spricht. Sie konnte nicht wissen, dass sie im Gästehaus der Schule untergebracht sein würde. Und dass sie quasi adoptiert werden würde – „ich habe mindestens fünf Mütter hier“, erzählt sie. Herzlichkeit sei wichtig, und sich Zeit zu nehmen. „Die Menschen hier wollen mir unbedingt ihre Kultur, ihre Traditionen zeigen.“
Auch dass sie wegen ihrer Hautfarbe auffällt, hat sie mittlerweile akzeptiert. Und es sind nicht nur die Heiratsanträge. Von ihr werden beim Einkaufen höhere Preise verlangt als von den Einheimischen. Dabei ist Nina bemüht, das Klischee des weißen Touristen zu widerlegen: Sie wäscht ihre Wäsche selbst, fährt mit Vorliebe in den überfüllten Minibussen, versteht Kisuaheli und isst gerne kenianisches Essen.
Es hat ein bisschen gedauert, bis sich Nina an dieses Leben gewöhnt hat. Und bis sie verstanden hat, dass die beiden Welten sehr unterschiedlich erscheinen, dass aber die Sorgen die gleichen sind. Mittlerweile weiß sie vor allem die kenianische Gelassenheit zu schätzen. In Deutschland musste sie ihre Termine genau organisieren. „Hier habe ich seit neun Monaten keinen Kalender, ich plane nicht“, sagt sie und zitiert lachend ein kenianisches Sprichwort: „In Deutschland haben sie die Uhren, in Kenia haben wir Zeit.“ Schinken und Käse vermisst sie gelegentlich. Und natürlich ihre Freunde und ihre Familie in Berlin. Trotzdem wird es ihr schwer fallen zurückzukehren – in zwei Wochen endet ihr Aufenthalt.
Nina kann sich vorstellen, irgendwann länger in Afrika zu leben. Ihre kenianischen Freunde würden sich freuen, einige suchen bereits einen geeigneten Heiratspartner für sie. Nina sieht das mit einem Augenzwinkern. Vorerst will sie nach Berlin, zum Studieren. Lehramt soll es sein, da kann sie ihre Stärken nutzen, das weiß sie nach dem einen Jahr."


Voerde: Neudeck braucht Schwan dringend in Ruanda | RP ONLINE
RP online


Voerde: Neudeck braucht Schwan dringend in Ruanda

Vor zwei Jahren ist Hans-Joachim Schwan (67) als Lehrer am Berufskolleg Dinslaken in Pension gegangen. Er war Studiendirektor, hatte Elektrotechnik und Englisch unterrichtet, war Vize-Leiter der Technikabteilung. Am Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest war er lange eingebunden in die Erstellung von Lehrplänen.

Diesen "reichen Erfahrungsschatz", wie Schwan selber sagt, will der Mehrumer nicht im Ruhestand vergraben sehen. Er will, das andere davon profitieren. In diesem Frühjahr las er einen Zeitungsbericht über ein Hilfsprojekt des internationalen Friedenskorps' "Grünhelme" in den palästinensischen Autonomiegebiete. Es ging um so genannte Photovoltaikanlagen, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. Als Elektrotechniker ist Schwan mit solchen Anlagen bestens vertraut. Er wollte helfen, in Palästina.
Also nahm er Kontakt zu Rupert Neudeck in Troisdorf auf, einem der Mitbegründer und Vorsitzender der "Grünhelme". Neudeck ist bekannt geworden durch seine Rettung von Flüchtlingen mit dem Schiff "Cap Anamur". Für Schwan sah er ein dringlicheres Projekt vor: das Nelson Mandela Educational Centre, ein vor zwei Jahren gegründetes Berufsschulzentrum in Ruanda, Afrika. Ende 2011 werden die "Grünhelme" das Zentrum an die Regierung von Ruanda übergeben. Bis dahin müssen Lehrer fortgebildet werden.
Diese Aufgabe erfüllt nun unter anderem Hans-Joachim Schwan. Darüber hinaus kann er seine Fachkenntnisse im Bereich der Photovoltaik einbringen. Für Schwan ist es der erste Auslandseinsatz für eine Hilfsorganisation."

Hans-Joachim Schwan, hier noch auf dem Rheindeich in Voerde. Ende Juli ist er nach Ruanda aufgebrochen. RP-Archivfoto: Jörg Kazur/RP online

Voerde: Hajo bildet afrikanische Lehrer fort | RP ONLINE 


Hajo bildet afrikanische Lehrer fort

VON HANS-JOACHIM SCHWAN 

Der pensionierte Lehrer Hans-Joachim Schwan aus Voerde hat sich dem Internationalen Friedenskorps "Grünhelme" angeschlossen. Im Nelson Mandela Educational Centre in der ruandischen Stadt Ntarama gibt er seinen Erfahrungsschatz an junge Berufsschullehrer weiter.

Mein Abenteuer Afrika/Ruanda beginnt am 28. Juli um 23.30 Uhr, als Ethiopian Airlines Flug ET 220 von Frankfurt in Richtung Addis Abeba abhebt. Mit an Bord der bis auf wenige Plätze ausgebuchten Boeing 737 zwei weitere Grünhelme: Harald Grixa (62), pensionierter Ingenieur aus Ingolstadt, der für VW in der ganzen Welt tätig gewesen ist, und Andreas Wunsch (33), Bauingenieur für Tiefbau aus Köln. 29. Juli, gegen 10.35 Uhr: Landung in Addis Abeba, Äthiopiens Hauptstadt, erster Zwischenstopp auf dem afrikanischen Kontinent.
Unübersehbar sind chinesische Menschen in der Transithalle in der Überzahl. Sie sind offenbar auf dem Wege in eins der rohstoffreichen Länder des schwarzen Kontinents zum Wohl der boomenden chinesischen Wirtschaft oder auf dem Heimweg von einem Afrika-Einsatz. Auch eine Handvoll weißer Europäer, wohl auf dem Weg nach Kenia oder Tanzania, warten wie wir auf ihren Anschlussflug.
Trotz der Nähe des Flughafens zur Stadt erlaubt es die kurze Zeit bis zum Abflug unseres Fliegers nach Kigali nicht, in die Metropole zu fahren. Nach zwei Stunden im Transitbereich geht es schon zum Einchecken für den Flug via Entebbe in Uganda zu unserem Ziel: Ruanda.
Im Flieger habe ich ein Geschwisterpärchen – ein etwa dreijähriger tiefschwarzer Junge, beaufsichtigt von seiner zierlichen Schwester, vielleicht fünf Jahre alt – als Nachbarn. Vater und Mutter der beiden munteren Kleinen haben nebst zwei älteren Töchtern irgendwo zwei, drei Reihen hinter mir ihre Plätze gefunden. Mir fällt während des Fluges die Rolle zu, dem kleinen Jungen beim Essen und Trinken zu assistieren, was mehr oder weniger mit Gestik und Mimik meinerseits gelingen muss, denn beide Kinder sprechen nur Französisch.

Ihre Eltern scheinen mit mir als Aufsicht zufrieden zu sein, denn nicht einmal kommen sie während des Fluges auf meine Höhe, nicht einmal beim fast Halbstunden-Stopp in Entebbe, Uganda – mir noch in schlimmer Erinnerung als blutige Endstation der Entführung eines israelischen EL-AL-Flugzeuges im Jahr 1976.
Der Anflug auf Kigali bestätigt die Charakterisierung Ruandas als Land der tausend Hügel. Trotz der seit zwei Monaten im südlichen Afrika herrschenden Trockenzeit schließt sich eine grüne Kuppe an die nächste, die Landschaft ist vergleichsweise geformt wie die Eifel.
In der Ankunftshalle nimmt uns Till, durch das T-Shirt der "Green Helmets" ("Grünhelme") gut zu erkennen, in Empfang. Ruckzuck sind die bis ans Gewichtslimit von zweimal 23 Kilogramm pro Person gefüllten Koffer und Taschen verstaut und auf geht's vom südöstlich Kigalis gelegenen Flughafen nach Süden, auf der gut ausgebauten Landstraße, in Richtung des Nachbarstaats Burundi.
Zugegeben, beim Anflug auf Kigali kommen mir Erinnerungen und Vorstellungen an den 7. April 1994 in den Sinn, als der Abschuss der Maschine des ruandischen Präsidenten bei seiner Rückkehr aus Arusha, Tansania, den von langer Hand geplanten Genozid in Ruanda auslöste. Nach letzten Forschungen wurden damals innerhalb von zwei Monaten etwa eine Millionen Tutsi oder mit den Tutsis sympathisierende Hutus auf bestialische Weise abgeschlachtet.
Ehrlich gesagt möchte ich durch meinen Einsatz in Ruanda ein klein wenig Wiedergutmachung leisten. Denn auch ich habe, ebenso wie die Vereinten Nationen (UN) und die ganze übrige Welt, bei dieser menschlichen Tragödie tatenlos zugesehen, mich damals noch nicht einmal zu einem Protestbrief aufgerafft, obwohl ich damals via Fernsehen täglich Augen- und Ohrenzeuge war.

Aber heute, 16 Jahre später, an diesem angenehm warmen Nachmittag, überspannt ein hellblauer Himmel, leicht bedeckt mit weißen Cumuluswolken, ein offensichtlich friedliches Ruanda. Ganze Heerscharen ruandischer Menschen, vorwiegend in jugendlichem Alter, sind beiderseits der Fahrbahn der gut ausgebauten Landstraße zu Fuß oder auf Fahrrädern unterwegs.

The centre of Kigali, Rwanda./SteveRwanda /GNU-free-Documentation-License/Wikimedia Commons
Den motorisierten Verkehr der ruandischen Hauptstadt bestimmen Motorradtaxis, aber es sind auch Fahrradtaxis unterwegs – Frauen sitzen dort im Damensitz auf dem breiten Gepäckträger. Für längere Touren über Land bieten weiße Kleinbusse ihre Dienste an. Der Weg nach Nyamata (der Ortsname, übersetzt aus der Landes-sprache Kinyarwanda, heißt so viel wie Kuhdorf; denn amata ist die Kuh) ist etwa 30 Kilometer lang. Wir fahren vom Flughafen hinunter ins sumpfige Tal des Niyiragongo, eine Brutstätte der Mosquitos und als eine Quelle des Nils zu Berühmtheit gelangt. Störche und Ibisse fliegen weite ruhige Kreise, Kuhreiher bevölkern die großen Wasserinseln inmitten von Schilf und Papyrus.
Längs der Straße stehen Menschen im Morast und schneiden Schilfgras, das dann zur Straße hochgeschleppt wird, um, quer auf die breiten Gepäckträger der Fahrräder chinesischer Machart gespannt, zur Fütterung des Viehs abtransportiert zu werden.
Vor Nyamata geht es rechts ab in Richtung "Genocide Memorial", ein Mahnmal in Ntarama, und nach einem Kilometer auf einer leicht ansteigenden, unbefestigten, Straße ohne Asphaltbelag liegt rechter Hand an einem Hügelhang mein Ziel: das Nelson Mandela Educational Centre (NMEC). Geradeaus geht es den Hang hinauf zur Mensa und den Schlafräumen der ruandischen Schüler und Lehrer, rechts erstreckt sich das Lehrergebäude mit Schulbüro, den Zweibettzimmern der Grünhelme, Bibliothek, Küche, Sanitäranlagen.
Im NMEC werde nun ich, Hajo ("Grünhelme"-Mitbegründer Rupert Neudeck hat mich schon nach dem ersten Treffen im März mit dieser Kurzform für Hans-Joachim angesprochen), ruandische Lehrer fortbilden. Und ich werde mich wieder wie vor 15 Jahren am Landesinstitut in Soest in der Curriculum-Entwicklung für die Elektroniker betätigen, mit besonderer Ausrichtung auf Photovoltaik.
Aber noch ist es nicht so weit. Als wir drei neuen "Grünhelme" eintreffen, sind Ferien. Bis auf den Schulleiter Matthias Mikysek, nebst Ehefrau Esperanza und Tochter Hannah und Till, Architekt aus Berlin, der seinen seit April andauernden Einsatz um drei weitere Monate verlängert hat, halten lediglich die Nachtwächter Emanuel und Protogéne die Stellung.
Ich beziehe ein Zimmer, ausgestattet mit Schreibtisch, Regal, Kleiderständer, Duschzelle (kaltes Wasser, wenn überhaupt) und Bett, das von einem weißen Netz überspannt wird zum Schutz gegen Mosquitos. Aufgrund dieses Stechmückenschutzes und weil wegen der zurzeit herrschenden Trockenzeit in unserer Höhe keine Malaria übertragende Plagegeister vorkommen, halte ich ab sofort das Malaria-Medikament Lariam in Reserve.
Für eine kurze Führung über den Campus bleibt nur wenig Zeit. Fast schlagartig wird es gegen sechs dunkel, die Zikaden beginnen ihr Konzert, im benachbarten Dorf werden die Ziegen und Kühe heim getrieben. Wir treffen uns alle in der Küche, zugleich Esszimmer und Kommunikationszentrum..."

The scholarship-holders of the exchange programme Go Africa... Go Germany 2008 on the visitors stand of the Deutsche Bundestag in Berlin./Foto: bpb
AFRICA-live.de - Das Afrikamagazin - Informationen zu Politik - Wirtschaft - Reise - Kultur - Afrikanische und deutsche Stipendiaten diskutieren über Herausforderungen in der Politik

„Die deutsche Afrikapolitik und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit“,
20. August 2010, 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr, Kloster Seeon bei München.
Mit Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Botschafter Matthias Mülmenstädt, Beauftragter für Afrikapolitik, Auswärtiges Amt, Dr. Ulrich Golaszinski, Referent, Afrika Referat, Friedrich-Ebert-Stiftung, Dr. rer. pol. Stefan Mair, Leiter der Abteilung „Internationale Märkte“, Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), Prof. em. Dr. phil. Franz Nuscheler, Professor für internationale und vergleichende Politik, Universität Duisburg-Essen, Moderation: Dagmar Dehmer, Journalistin, Der Tagesspiegel
 
„Aktuelle Herausforderungen in der deutschen Politik“, 24. August 2010,
19:30 Uhr bis 21:00 Uhr, Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, Berlin.
Mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. (CDU), Daniela Kolbe, MdB (SPD), Marina Schuster, MdB (FDP), und Hans-Christian Ströbele, MdB (Bündnis 90/Die Grünen). Moderation: Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
 
Go Africa... Go Germany: Jugend im Austausch
epo-Entwicklungspolitik online
GO AFRICA...GO GERMANY: JUGEND IM AUSTAUSCH


"Bereits zum vierten Mal findet das Stipendiatenprogramm "Go Africa... Go Germany..." statt. Je 13 deutsche und afrikanische Studierende nehmen in diesem Jahr an dem von Altbundespräsident Horst Köhler initiierten Austausch teil. Während ihrer fast dreiwöchigen Reise durch Deutschland mit Stationen in München, Berlin und Köln diskutieren die Stipendiaten unter anderem mit Politikern und Wissenschaftlern über aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen und besuchen soziale und kulturelle Projekte.

Am 25. August 2010 empfängt Bundespräsident Christian Wulff (CDU) die Stipendiaten im Schloss Bellevue in Berlin zum Gespräch. Das Austauschprogramm findet in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) statt.

"Seit 2007 haben sich rund 100 Stipendiaten aus Afrika und Deutschland für das Programm qualifiziert", berichtet Thomas Krüger, Präsident der bpb. "In Diskussionen mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur entwickeln die Teilnehmer ein tiefes Verständnis für die jeweiligen Partnerländer. Damit fördert der Austausch bei der jungen Generation das Interesse, sich nachhaltig für die Kooperation der beiden Kontinente zu engagieren."

Die afrikanischen Teilnehmer stammen in diesem Jahr aus Südafrika, Mauritius, Simbabwe, Malawi, der Demokratischen Republik Kongo, Sambia, Madagaskar, Ghana und Namibia. Programmteil der Deutschlandreise sind zwei öffentliche Podiumsdiskussionen: "Die deutsche Afrikapolitik und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit" am 20. August im Kloster Seeon bei München und "Aktuelle Herausforderungen in der deutschen Politik" am 24. August in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund in Berlin.

Alle Studierenden haben sich mit einem Essay für den Austausch qualifiziert. Vom 12. bis 31. März 2011 führt die Gruppe ihre Reise in Südafrika und Swasiland fort. Das langfristige Ziel des Projekts ist die Gründung einer deutsch-afrikanischen Jugendbildungsstiftung."
www.bpb.de/goafrica.


The participants of Go Africa... Go Germany 2009/10, the project team and the president of Ghana, John Evans Atta Mills.
Fotos: Felix Azameti

FOTOS: Thank you! Dankeschön!
1. Das Lächeln täuscht. Anfangs begegneten die Einheimischen Nina mit Skepsis – weil sie weit und breit die einzige Weiße war. Foto: privat/der Tagesspiegel
2. Hans-Joachim Schwan, hier noch auf dem Rheindeich in Voerde. Ende Juli ist er nach Ruanda aufgebrochen. RP-Archivfoto: Jörg Kazur/RP online
3. The centre of Kigali, Rwanda./SteveRwanda /GNU-free-Documentation-License/Wikimedia Commons
4.Foto: bpb/ The scholarship-holders of the exchange programme Go Africa... Go Germany 2008 on the visitors stand of the Deutsche Bundestag in Berlin.
5. Fotos: Felix Azameti


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Montag, 5. Juli 2010

Liebe Freunde,

Auf 
der Liegewiese
Wie das Leben so spielt: Es ist nicht immer alles exakt planbar...!

Deshalb gehen wir in diesem Jahr nun etwas früher in die großen Ferien.

Euch allen wünschen wir einen traumhaften Sommer - bis hoffentlich bald wieder hier!

Etta und Co.
sunsetAfrica22

Mittwoch, 30. Juni 2010

Weltstadt Berlin: Touristen-Hauptstadt und Kultur-Metropole. Welcome!!!

 Press Release Polizei Berlin

Input: 28/06/2010 - 08:20 a.m

Man attacked in subway train

Lichtenberg

# 1901

 Yesterday afternoon two unknown men were attacking a Black man in a subway train in Lichtenberg (City of Berlin). The 36 -year-old African was in a train of the underground line U5 in direction Hönow road between the stations Frankfurter Allee and Magdalene Street about 05.15 p.m. when he was suddenly and without a word attacked by two men. The attackers sprayed mace in his face and kicked him several times. At the station Magdalenenstraße they left off  by their victims and the attackers left the car. The 36 -year-old suffered minor injuries and was treated in a hospital as an outpatient. The Police State Protection of  State Criminal Office has taken over the investigation.

Mann in U-Bahnzug angegriffen - Berlin.de 



Zwei Unbekannte haben gestern Nachmittag einen Mann in einem U-Bahnzug in Lichtenberg angegriffen. Der 36-jährige Afrikaner war in einem Zug der U-Bahnlinie U5 in Richtung Hönow unterwegs, als er gegen 17 Uhr 15 zwischen den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Magdalenenstraße von zwei Männern unvermittelt und wortlos angegriffen wurde. Die Täter sprühten dem 36-Jährigen Reizgas ins Gesicht und traten ihn mehrfach. Am Bahnhof Magdalenenstraße ließen die Angreifer von ihrem Opfer ab und verließen den Waggon. Der 36-Jährige erlitt leichte Verletzungen, die in einem Krankenhaus ambulant behandelt wurden. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

FOCUS AFRICA - Nicht nur ein Blick auf die Fußball-WM 2010 (5): ANGRIFF vor ANPFIFF

Mann in U-Bahnzug angegriffen - Berlin.de

Foto: Die Berliner U-Bahn 2004/Jorges/GNU-free-Documentation License 1.2 /Wikimedia Commons
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Sonntag, 20. Juni 2010

And in another 10 years: We will not forget you, Alberto Adriano!

And in another 10 years: We will not forget!


By Marie-Sophie Adeoso / FR-online.de

Dessau-Rosslau. Actually, this place is too peaceful  to die. Gravel crunching softly under the feet, chirping birds,  Children splash in the fountain. The trees in the park of Dessau are in full foliage, lush green. Alberto Adriano died under a tree that did bear deep red leaves. It is a copper beech. Today, it casts shadows  on a square memorial stone: "Alberto Adriano, victims of right violence."

"The murder was a shock to Dessau," said Razak Minhel, head of the Multicultural Center. "It came right into the city's heart." Minhel has collected many newspaper articles, which appeared after neo-nazis had killed the 39-year-old father of three sons in the night of 11th June 2000 because he was black. "The perpetrators have destroyed a whole Family," he says.

Revolt of the decent

Behind the tops of the trees a large paneled-build-house extends into the blue sky. Grey (Aggregate) concrete, beer glass shards on the sidewalk. Here lived Adriano, who came to Dessau in 1988 as a DDR-contract-worker from Mozambique and worked here as a butcher. It was just two clock in the morning of this 11th June, he was on his way back home from a visit with friends. Three young men insulted and attacked him and when he was already lying on the floor, they were attacking him further. They dragged his body through the park and stripped him off - they hung his clothes in the trees. On 14th June Adriano died because of his severe injuries. The perpetrators were convicted to a (long?!) time in juvenile prison.

Adriano was not the first victim of right-wing violence. And not the last. The crime statistics count since (Germanys) reunification 46 deaths up to 2009, the Amadeu-Antonio-(another murdered Black man!)Foundation is sure there are 149 deaths - Adriano was Number 112. The difference here was that this brutal act was so shocking that for the first time the terror was now noticed nationwide . The German Federal Government under Chancellor Gerhard Schröder (SPD) called out a "revolt of the decent" and startet reasonable new programs against right-wing-activis. And the Afro-German singer Ade Bantu initiated the black musicians collective Brothers Keepers with stars like Xavier Naidoo. "I rapp 'for my brother, because I could also be the victims," they sang. "I thought it would never stopp that we were "free" to be hunted," recalls Ade Bantu.

Nowadays, on the tenth anniversary of the death, the decent people will rise again. Cem Özdemir, the Green Party-chairman and the president of the German Central Council of Jews, Stephan Kramer, will give speeches. For saturday there is a demonstration planned and a concert, where Ade Bantu will sing.

However, people on the road only shrug their shoulders when they hear the name of Adriano . On a lantern there hangs a tattered poster, white spots have eaten into Adriano's face. The case of the applicant for assylum Oury Jalloh, who was burned in a police cell in (in the same city) Dessau in 2005, has displaced Adriano in the minds of the local people, "says Marco Steckel from the victims' counseling. "If we name and adress these cases, we get no applause, "he says. What the hell was Adriano hanging out here in the park at night, people are saying. A drug dealer he has been, others defame him. "There must be a stronger solidarity with the victims, "says Steckel. The Civil society involvement has adjusted in the past ten Years, became more professional, but Dessau-Roßlau still is a center of right-wing force and violence.

"The opinions about all that are quite different," says a 49-year-old Dessau-woman who drinks a coffee at the bakery. Many people were indeed outraged because of the murder of Adriano, "but others say, if he would have stayed in his country, it would not have happened ". All these foreigners and strangers do get "all that money shoved up their asses by the government" and than they build big homes on their large property there. She says she has heard so - by the people. "But for the German people, nothing is done."

"We live very dangerously"

Who is black in Dessau, feels left alone. "Our life here is very dangerous, " said one Guinean man in the telephone-Café, where the few Africans are gathering, not to be exposed to the constant gazes from the road. They do not want to tell their names, the confidence is gone. First Adriano, than Oury Jalloh - who only can is mooving away from Dessau.

The Tele-Café was once owned by Mouctar Bah, who was honored with the Carl-von-Ossietzky Medal for his involvement in the case Jalloh and he also was in contact with the family of Adriano. Last December, the police  had all  Blacks that live here controlled for drugs, they are put under general suspicion period, "says Bah. This is without doubt against the law but very common. The structural racism is the main problem. "The people here know,  if I do something to a Black person, nothing will happen to me. "



BBC News | FROM OUR OWN CORRESPONDENT | Race hate in Germany 
By Rob Broomby/BBC News/03.09.2000

Christian Richter

Christian Richter: One of three



men found guilty of the murder
I met her in the middle of the city park in Dessau. Gaunt and looking stressed, she was scurrying home from a shopping trip to the flat she shares with her three children.
In normal circumstances it would have been a pleasant stroll for Angelika Adriano, between the flower beds and below the overhanging trees. But the summer shade was menacing. Below the same leaves just weeks before, her husband - a Mozambican - had been brutally murdered by three drunken neo-Nazis.
They told the police they did it because they hated foreigners.
They kicked and punched him to the ground and continued to stamp on his head with heavy boots long after he lost consciousness. He died of severe head injuries three days later.
You could hardly recognise his face, said his wife. They stamped on his head so hard they knocked out an eye.
The hardest thing now, she said, was that the children had to grow up without a father.
Symbolic act
On the night of his murder, Alberto Adriano - who had lived and worked in Germany for more than 20 years - had been celebrating a forthcoming trip to Mozambique. He would have basked in the admiration of his village: the local boy made good returning home, no doubt bearing lavish gifts and undreamed of wealth.
Instead, his family received a simple wooden coffin from Germany containing the disfigured remains of their son, aged 39.
That the Chancellor Gerhard Schroeder, chose to pay his respects at the simple shrine which now marks the murder scene, was symbolic in itself.
He approached slowly and, with a sober expression, bent low to the photograph of the round-faced African-born family man and placed the wreath. e rearranged the red, black and gold ribbons before standing in respectful silence.
We have seen German leaders do this before; but usually marking the victims of the more distant past, at concentration camps, or massacre sites.
Yet, in an age when symbolic acts say it all, the message was clear: Germany will not repeat the past.
The previous chancellor, Helmut Kohl, provoked fury in Germany's Turkish community in 1992 when he refused to attend the funeral of five of Turks burned to death in firebomb attack by racists in Sollingen. Times have changed.
Politicians have repeatedly stressed that the problem lies at the very centre of society.
One example bore out that perception. Below the same trees where Alberto Adriano had lain dying, I met a young German woman, relaxing with local African youths.
It looked like a multi-cultural paradise - young people sharing a drink amongst the greenery - until she opened her mouth.
"The murder was terrible," she said, "But I'm also unhappy.
"It's not so bad here, but when I see all the Turkish people in Berlin, well, they take our women and make marriages just to live here. Turks, Albanians, Kosovans..."
But what was the difference, I asked, between them and her African friends.
"It's just a different life," she said. "The Africans will work for 8DM an hour - no German would do that.
"But the Turks, they take our jobs."
In Dessau, only just over one in 100 people are classed as foreigners, but preconceptions are hard to shift.
"I'm only speaking to you because you are not a German journalist," said one of the Africans. "I don't trust any of them, and I don't trust the police.
"If we are attacked, we wouldn't call them because we are more likely to end up in trouble."
German tour
Unemployment is stubbornly high in eastern Germany - still around twice the western rate. But unemployment and neglect only goes part way to explaining racism.
Chancellor Schroeder has combed the eastern states like no leader since the fall of the Berlin Wall - a gruelling schedule of photo opportunities and visits.
At every stop, he has made the fight against racism and intolerance his theme. But there is one startling flaw in the itinerary. With all the photo-calls and earnest exchanges, he has heard and seen nothing of Germany's ethnic minorities.
Questioned about the omission, a senior government party aide told me the Chancellor was visiting several schools and would certainly meet some foreigners there. It was hardly convincing.


Alberto Adriano – Wikipedia

Amadeu Antonio Stiftung ~ Informationen zur Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus; Engagement gegen Nazis; Mut gegen rechte Gewalt; Projekte gegen Antisemitismus; Arbeit von Bürgerstiftungen; Kinderrechte; Menschenrechte

Amadeu Antonio Stiftung – Wikipedia


Liste der Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland – Wikipedia

Aus gegebenem Anlass habe ich mir erlaubt, den sehr treffenden FR-Artikel von Marie-Sophie Adeoso für unsere nur englisch-sprechenden Freunde (mit Hilfe von Google) zu übersetzen.
Hier ist das Original, das sich auch auf Deutsch sehr eindringlich liest:

Mord in Dessau: Unter der Blutbuche | Frankfurter Rundschau - Politik
Von Marie-Sophie Adeoso


Dessau-Rosslau. Eigentlich ist dieser Ort zu friedlich zum Sterben. Kies knirscht leise unter den Schritten, Vögel zwitschern, im Brunnen planschen Kinder. Die Bäume im Stadtpark von Dessau stehen in vollem Laub, saftig grün. Alberto Adriano starb unter einem Baum, der tiefrote Blätter trägt. Es ist eine Blutbuche. Heute wirft sie Schatten auf einen kantigen Gedenkstein: "Alberto Adriano, Opfer rechter Gewalt."

"Der Mord war ein Schock für Dessau", sagt Razak Minhel, Leiter des Multikulturellen Zentrums. "Er traf mitten ins Stadtherz." Minhel hat die vielen Zeitungsartikel gesammelt, die erschienen, nachdem Neonazis in der Nacht zum 11. Juni 2000 den 39-jährigen Vater dreier Söhne erschlagen hatten, weil er schwarz war. "Die Täter haben eine ganze Familie vernichtet", sagt er.

Aufstand der Anständigen

Hinter den Wipfeln ragt ein Plattenbau in den blauen Himmel. Grauer Waschbeton, Bierglasscherben auf dem Gehweg. Hier lebte Adriano, der 1988 als DDR-Vertragsarbeiter aus Mosambik nach Dessau kam und als Schlachter arbeitete. Es war kurz vor zwei Uhr am Morgen des 11. Juni, als er von einem Besuch bei Freunden nach Hause lief. Drei junge Männer überfielen und beschimpften ihn, als er schon am Boden lag, traten sie weiter. Sie schleiften seinen Körper durch den Park und zogen ihn aus - seine Kleider hängten sie in die Bäume. Am 14. Juni erlag Adriano seinen Verletzungen. Die Täter wurden zu langen Haft- und Jugendstrafen verurteilt.

Adriano war nicht das erste Opfer rechter Gewalt. Und nicht das letzte. Die Kriminalstatistik zählt bis 2009 seit der Wiedervereinigung 46 Todesopfer, die Amadeu Antonio Stiftung 149. Adriano war Nummer 112. Doch die Tat rief erstmals bundesweites Entsetzen hervor. Die Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) forderte einen "Aufstand der Anständigen" und begründete neue Programme gegen Rechtsextremismus. Und der afrodeutsche Sänger Ade Bantu initiierte das schwarze Musikerkollektiv Brothers Keepers mit Stars wie Xavier Naidoo. "Ich rapp´ für meinen Bruder, denn ich könnte auch das Opfer sein", sangen sie. "Ich dachte, es hört niemals auf, dass wir Freiwild sind", erinnert sich Ade Bantu.

Heute, am zehnten Todestag, werden die Anständigen wieder aufstehen. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir wird sprechen und der Präsident des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer. Für Samstag ist eine Demonstration angemeldet und ein Konzert, bei dem auch Ade Bantu singt.

Doch die Menschen auf der Straße zucken beim Namen Adriano nur mit den Schultern. An einer Laterne hängt ein zerfetztes Plakat, weiße Flecken haben sich in Adrianos Gesicht gefressen. Der Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh, der 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte, habe den Fall Adriano im Bewusstsein der Menschen verdrängt, sagt Marco Steckel von der Opferberatungsstelle. "Wenn wir diese Fälle thematisieren, bekommen wir keinen Beifall", sagt er. Der Adriano, was habe der sich denn nachts im Park rumgetrieben, sagen die Leute. Drogendealer sei er gewesen, verleumden ihn andere. "Es muss stärkere Solidarisierung mit den Opfern geben", fordert Steckel. Das zivilgesellschaftliche Engagement habe sich in den vergangenen zehn Jahren professionalisiert, aber Dessau-Roßlau sei weiter ein Zentrum rechter Gewalt.

"Die Meinungen sind da ja unterschiedlich", sagt eine 49-jährige Dessauerin, die beim Bäcker einen Kaffee trinkt. Viele seien empört gewesen über den Mord an Adriano, "aber andere haben gesagt, wäre er in seinem Land geblieben, dann wäre das nicht passiert". Die ganzen Ausländer, die bekämen ja "vom Staat das Geld in den Arsch gesteckt" und kauften sich in der Heimat große Anwesen. Sie sagt, sie höre das so von den Leuten. "Aber für das deutsche Volk wird nichts getan."

"Wir leben sehr gefährlich"

Wer schwarz ist in Dessau, der fühlt sich alleine gelassen. "Wir leben sehr gefährlich hier", sagt ein Guineer im Telecafé, in dem sich die wenigen Afrikaner treffen, um nicht den ständigen Blicken auf der Straße ausgesetzt zu sein. Ihre Namen möchten sie nicht nennen, das Vertrauen ist weg. Erst Adriano, dann Oury Jalloh - wer kann, zieht weg aus Dessau.
Das Telecafé gehörte einst Mouctar Bah, der für sein Engagement im Fall Jalloh mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille geehrt wurde und auch mit Familie Adriano in Kontakt steht. Im Dezember habe die Polizei hier alle Schwarzen wegen Drogen kontrolliert, sie unter Generalverdacht gestellt, sagt Bah. Das sei rechtswidrig, aber kein Einzelfall. Struktureller Rassismus sei das Hauptproblem. "Die Menschen hier wissen, wenn ich Schwarzen etwas tue, passiert mir nichts."


FOTOS: DANKE/THANK YOU!
2000/ Bundeskanzler Gerhard Schröder legt Blumen nieder auf den Gedenkstein von Alberto Adriano: BBC News
Alberto Adriano: BBC News 2000/Thank you!
Täterfoto: BBC News 2000
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Donnerstag, 20. Mai 2010

Here it is: The grooving feeling of South-Africa



Alle Welt schaut in diesen Tagen in Richtung Kap der Guten Hoffnung, doch soviel steht fest: Die meisten WM-Fans, die jetzt gerne nach Afrika gereist wären, können (oder wollen) sich diese Fernreise nicht leisten. Sie werden sich also mit dem TV-Gerät und/oder der Gemeinschaft der Public-Viewer vor Riesenleinwänden  mit Second-Hand-Fußball begnügen müssen. 
Wer von den verhinderten Fernreisenden aber neben dem Fußball auf weitere kulturelle Encounters in SA gehofft hatte, für den gibt es eine gute Nachricht: Südafrika ist mit vielen seiner Identitäts- prägenden Künstler gerade zu Gast in Berlin:


Sounds No Walls: Musik über Stacheldraht hinweg | Kultur | ZEIT ONLINE
Von Maxi Sickert/FAZ-NET

"Viele der eingeladenen Musiker haben das Exil und seine Folgen ganz unterschiedlich erlebt. Entsprechend unterschiedlich hat sich diese Zeit auf ihre jeweilige musikalische Identität ausgewirkt. Abdullah Ibrahim wurde in den Sechzigern in Zürich von Duke Ellington entdeckt und gefördert. Hugh Masekela, der aufgrund seines außergewöhnlichen Talents eine Trompete von Louis Armstrong geschenkt bekam, wurde später von Yehudi Menuhin und Harry Belafonte unterstützt. Louis Moholo lebte am Rand des Existenzminimums. Er erzählt heute, wie die Musiker in den ersten Exiljahren in London in Hauseingängen schliefen und im Müll nach Essbarem suchten.
Zur jüngeren Generation des südafrikanischen Jazz gehört der Saxofonist Zim Ngqawana, der in den USA bei Max Roach und Wynton Marsalis studierte, anschließend bei Archie Shepp und Yusef Lateef. Im Gespräch thematisiert er die drängenden Probleme Südafrikas, wie Aids, innerfamiliäre Gewalt, sowie das Bildungs- und Gesundheitssystem. Neben Zim Nqqawana wird auch Archie Shepp am Freitagabend mit seinem Quartett und einem Tribute to Africa auftreten...."

Mit seinem Titel "sounds no walls"  schlägt das Berliner Pfingst-Jazz-Festival nicht nur eine markante Brücke zwischen der einstigen Mauerstadt Berlin und Südafrikas Johannesburg - wo jahrzehntelang Apartheid und Stacheldrahtzäune die Schwarzen von den Weißen, die Armen von den Reichen und die Mächtigen von den Machtlosen getrennt haben - es präsentiert auch gerade die Musiker, deren Leben und Werk von diesen gewaltsamen Trennungen gezeichnet sind:

"...An dem langen Konferenztisch sitzt auch der Pianist Abdullah Ibrahim, der sich in den dreißig Jahren seines Exils immer wieder für die Befreiung Südafrikas eingesetzt hat. Auch an diesem Tag versucht er, den Minister zu überzeugen, sich für das kulturelle Erbe des südafrikanischen Jazz einzusetzen. Doch verschwommen sind die Erinnerungen an die große Zeit der Anfänge, als Abdullah Ibrahim, damals noch "Dollar" Brand, 1959 mit der Gruppe Jazz Epistles das erste Jazzalbum Südafrikas aufnahm. Auch die Jugendlichen, die er an der von ihm gegründeten Schule einmal in der Woche unterrichtet, kennen die Namen der einstigen Stars des südafrikanischen Jazz nicht mehr: Die Großen des Landes sind nach dem Massaker von Sharpeville 1960 aus Südafrika geflohen. Unter ihnen auch der Trompeter Hugh Masekela, der Schlagzeuger Makaya Ntshoko, Abdullah Ibrahim und der Schlagzeuger Louis Moholo, in seinen Anfängen Mitglied der legendären Band Blue Notes..."

Die Tragik der Schicksale der einstigen Exil-Musiker ist heute, dass sie jetzt zwar frei und unbehelligt im befreiten Südafrika leben und arbeiten können, dass sich aber nur ein Bruchteil der (im Durchschnitt sehr jungen) Bevölkerung ihres afrikanischen Heimatlandes an sie und an ihre Vorkämpferposition erinnern können.

"Jazz war die musikalische Stimme der südafrikanischen Freiheitsbewegung unter Nelson Mandela, bei dessen Amtseinführung 1994 Abdullah Ibrahim spielte. Auf die amerikanische Szene blickend erinnert sich Hugh Masekela: "Jazz zeigte uns damals das außergewöhnliche Talent eines versklavten und diskriminierten Volkes. Die schwarzen amerikanischen Jazzmusiker repräsentierten Triumph trotz Unterdrückung. Als ich aufwuchs, war es in Südafrika nur möglich zu überleben durch die Inspiration dieser Jazzmusiker, denen wir uns verbunden fühlten." Die englische Journalistin Gwen Ansell schrieb 2004 in ihrem Buch Soweto Blues. Jazz, Popular Music & Politics in South Africa als erste eine Geschichte des südafrikanischen Jazz als Ausdruck von Hoffnung in einer von Rassismus und politischer Gewalt geprägten Gesellschaft...."

Der Initiator und Leiter des Berliner  "sounds no walls"-Festivals steht schon seit dieser Zeit mit den meisten seiner jetzigen Musiker-Gäste in Verbindung:

"...Der Leipziger Publizist Bert Noglik, der die Musiker bereits in den siebziger Jahren interviewte und porträtierte, hat die Gründergeneration des südafrikanischen Jazz jetzt zu dem Festival Sounds No Walls nach Berlin geladen. Es ist das erste Mal, dass die letzten Mitglieder der Jazz Epistles wieder bei einem Festival zu hören sind, auch wenn sie nicht gemeinsam auftreten werden. Louis Moholo, der in London Mitglied der einflussreichen Bigband Brotherhood of Jazz war und in Zürich mit der Pianistin Irène Schweizer Konzerte und Protestmärsche gegen die Apartheid organisierte, kommt ebenfalls nach Berlin. Als sich Moholo 2005 entschloss, nach Südafrika zurückzukehren, spielten sie ihr letztes gemeinsames und sehr emotionales Konzert beim Total Music Meeting in Berlin. Bei Sounds No Walls treten sie wieder gemeinsam auf....
.....Der Festivalleiter Noglik versteht die Fußball-WM 2010 in Südafrika als Beitrag zu einem positiven Selbstwertgefühl des Landes. Am Pfingstwochenende möchte er den Blick kurz vom Sport ablenken hin zur südafrikanischen Kultur, speziell auf den Jazz, in seiner Differenziertheit und Widersprüchlichkeit...."


Und auch Hugh Masekela, der große alte Mann des südafrikanischen Freiheitskampfes und des internationalen Jazz bringt neben seiner Trompete und den Kult-Stücken auch ein Stück südafrikanische Geschichte sowie Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit nach Berlin:

"....Hugh Masekela ist trotz all der Schwierigkeiten überzeugt von der spirituellen Kraft seines Landes und auch der Musik. Trotz einer neofaschistischen Burenbewegung und der zerrissenen einstigen Mandela-Partei ANC, trotz der mit Stacheldraht gesicherten Parks und Einkaufszentren, trotz der handgemalten Transparente in den Kirchen der Townships, die Gott um Hilfe gegen das Aids-Virus bitten. So ist es nicht zuletzt die tiefe Musikalität der Künstler, die einen Weg nach vorn öffnet, über Mauern und Stacheldraht hinweg und über die WM hinaus."

 Trompeten des Widerstands « Jazz « Tonträger

Der Trompeter Hugh Masekela wurde 1939 in Witbank in der Nähe von Johannesburg geboren. Er studierte bei dem Bürgerrechtler und Anti-Apartheid Aktivisten Trevor Huddleston und nahm 1959 mit der Band Jazz Epistles die erste südafrikanische Jazzplatte auf. Später floh er nach London und kurz darauf in die USA, wo er mit Miriam Makeba verheiratet war. Seit seiner Rückkehr 1990 engagiert er sich unter anderem in einem Antidrogenprogramm für Musiker.

Konzert: Samstag, 22. Mai, 22.00 Uhr, Berlin – Quasimodo


Der Saxofonist Archie Shepp wurde 1937 in Florida geboren. Er begann 1960 mit Cecil Taylor zu spielen und nahm mit John Coltrane das Album Ascension auf. Er engagierte sich in der Bürgerrechts- und Anti-Apartheid-Bewegung und unterrichtete Zim Ngqawana an der Universität von Massachussetts. Heute lebt er in Paris.

Konzert: Freitag, 21. Mai, ab 19.30 Uhr, Philharmonie Berlin – Kammermusiksaal

Der Saxofonist Zim Ngqawana wurde 1959 in Port Elisabeth, Südafrika geboren und gehört zu den aktuell einflussreichsten südafrikanischen Musikern. Als er begann, sich für Jazz zu interessieren, waren die südafrikanischen Jazzmusiker bereits im Exil. Er orientierte sich zuerst an amerikanischem Jazz, bevor er nach seiner Rückkehr 1990 die Wurzeln recherchierte. Heute begreift er sich als Erbe der Blue Notes von Louis Moholo.

Konzert: Freitag, 21. Mai, 19.30 Uhr, Philharmonie Berlin – Kammermusiksaal


Der Schlagzeuger Louis Moholo war Teil der Band Blue Notes des weißen südafrikanischen Pianisten Chris McGregor, der ins Gefängnis musste, weil er mit schwarzen Musikern spielte. Gemeinsam flohen sie ins Exil nach London und gründeten die Free Jazz Bigband Brotherhood of Breath. Louis Moholo ist der einzige Überlebende der Blue Notes.

Konzert: Freitag, 21. Mai, ab 19.30 Uhr, Philharmonie Berlin – Kammermusiksaal


Der Pianist Abdullah Ibrahim wurde 1934 in Kapstadt geboren und zählt mit seinem einzigartigen lyrisch erzählerischen Improvisationstalent zu den bedeutendsten Pianisten der Welt. Mit Hugh Masekela war Teil der Jazz Epistles. In seinem Exil in Zürich wurde er in den Sechzigern von Duke Ellington entdeckt. Bis zu seiner Rückkehr 1990 lebte er mit seiner Frau, der weißen südafrikanischen Jazzsängerin Sathima Bea Benjamin, im Chelsea Hotel in New York.

Konzert: Sonntag, 23. Mai, 19.30 Uhr, Philharmonie Berlin – Kammermusiksaal


Foto: 1. Hugh Masekela, Southafrican singer, composer and  trumpetist 2007/scorpius 73/Creative Commons Attribution ShareAlike 2.0 License/Wikimedia Commons
Foto: 2. Archie Shepp 2008 in Warschau/Kotoviski/Creative Commons License 3.0/Wikimedia Commons
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Voodoo-Altar in Benin

Voodoo-Altar in Benin
Foto: Voodoo-Altar 08/D. Schwarz/Creat. Comm. Lic. 3.0/Wikimedia C.

Nubische Pharaonen

Nubische Pharaonen
Foto: Wufei 07/Public Domain/Wikimedia Commons

Gegenwartskunst aus Afrika

Gegenwartskunst aus Afrika
Nostra Immagine / Twice 25 & Rinina 25 / GNU-Fr. Doc. Lic.1.2 / Wiki. Com.

Ein kleines Souvenir vielleicht?!

Afrikas Musik