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Samstag, 30. Oktober 2010

MAMA AFRIKA (1): Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe

  Frau und Kind aus einem der überfallenen Dörfer
Frau und Kind aus einem der überfallenen Dörfer

Dass Gewalt gegen Frauen in ausnahmslos jedem Krieg vorkommt und dass diese Form des Angriffs auf den Feind eine ganz besonders demütigende und perverse Art der Kriegsführung ist, das ist seit Jahrhunderten bekannt. Allerdings ist dem Ausmaß  dieser schrecklichen Verbrechen weltweit noch niemals genügend Aufmerksamkeit gezollt worden - ganz im Gegenteil: Selbst wenn einige dieser Vergewaltigungen, dieser Schläge, dieser Morde öffentlich gemacht werden, bleiben die überlebenden Frauen dennoch allein mit ihren Schmerzen und den nachfolgenden medizinischen Katastrophen wie HIV oder AIDS, Verstümmelungen, Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten, kurz: Sendie sind und bleiben allein mit ihrer Verzweiflung, ihrer Schande.

Vor einigen Wochen allerdings haben sich im Kongo nach einer besonders abscheulichen Vergewaltigungswelle zahlreiche betroffene Frauen zusammengeschlossen, um diesem unwürdigen Ritual endlich die Stirn zu bieten und um sich gegenseitig Kraft und Unterstützung zu geben.

In dem seit Jahrzehnten von Bürgerkriegen und Rebellionen gebeuteltem Westafrika - rund um den Kongo, Ruanda, Burundi und Uganda - sind Kriegsverbrechen und damit auch Vergewaltigungen seit eh und je an der Tagesordnung. Allerdings befinden sich auch seit langem die vielgelobten Blauhelme, die Friedenstruppen der Vereinten Nationen also, dort vor Ort, um wenigstens das Allerschlimmste zu verhindern.
Da musste denn selbst Generalsekretär Ban-Ki Moon nicht nur von einem schrecklichen Scheitern seiner Friedenstruppen sprechen, sondern auch von einer Mitschuld der Vereinten Nationen an den Massakern.

In der internationalen Presse wurde fast gleichzeitig der umfassende UN-Untersuchungsbericht zu den vorangegangenen Bürgerkriegen Westafrikas veröffentlicht, was in der Presse gelegentlich Konfusion darüber auslöste, welches der Massaker in welchem Jahr da nun gerade abgehandelt wurde. Sich so schrecklich viele Tote, so furchtbare Greueltaten auch noch hochgerechnet und multipliziert vorzustellen, das war für viele, auch gutmeinende Europäer dann wohl doch zuviel. Man ging zur Tagesordnung über.

Aber auch vor Ort in Afrika fand der UN-Massaker-Bericht ein starkes Echo: Die betroffenen Staaten protestierten lautstark. Allerdings gegen den Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen - und nicht etwa gegen die dort präzise aufgelisteten Grausamkeiten oder aber gegen die Rebellenmilizen, gegen die marodierenden Rest-Armeen und gegen die verantwortlichen Regierungen Westafrikas mit ihren nimmersatten Machthabern.

Allein, dass die Opfer all dieser wirklich grausamsten Gewalt mittlerweile begonnen haben, sich lautstark und kraftvoll bemerkbar zu machen, macht Mut und gibt Hoffnung für die Zukunft Afrikas. Die verletzten und geschändeten Frauen jedenfalls wollen nicht auf immer und ewig Opfer bleiben, sie wünschen sich für sich und ganz besonders für ihre Töchter und Söhne ein anderes Afrika. Einen Kontinent, der nicht nur durch Kriege, Gewalt und Hungersnöte von sich reden macht, sondern einen, den man aus vollem Herzen und liebevoll "unsere Mama Afrika" nennen wird.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Wie wirksam kann das neue deutsche Gesetz zur ZWANGSEHE sein?

Frau in Senegal, 2004/Bernard bill5 /
Creative Commons Attribution-Share Alike
Wikimedia Commons


Da das in letzter Zeit in Deutschland sehr kontrovers diskutierte Thema Integration ohnehin zu unseren Blog-Basics gehört, möchten wir den heute erschienenen "tagespiegel.de"-Artikel von Tissy Bruns zum Kernthema "Zwangsehe" hier ausnahmsweise in voller Länge veröffentlichen. 
Zwangsehe wird hierzulande zwar - wenn überhaupt - hauptsächlich in Zusammenhang mit den türkischen MitbürgerInnen in Deutschland erwähnt, betrifft aber auch zahllose junge Frauen aus Afrika, deren Herkunft und kultureller Hintergrund entweder afrikanisch-muslimisch oder aber tribal-traditionell geprägt ist. Denn auch - und gerade - in Afrika gehören Zwangsehen für Frauen und Mehrfach-Verheiratungen der Männer - Polygamie also, dialektisch auch drastisch als "Vielweiberei" bezeichnet - zum traditionell geprägtem Alltag. Das führt dann auch hier in Deutschland - z.B. bei Asylverfahren oder Unterhaltsstreitigkeiten - oft zu rechtlichen Komplikationen allgemeiner Art, vor allem aber zu einer massiven Rechtsunsicherheit der betroffenen Frauen.


Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten
von Tissy Bruns/ tagesspiegel.de/Meinung - Kontrapunkt


Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten


Tissy Bruns erklärt in ihrem heutigen "Kontrapunkt", warum das neue Gesetz gegen Zwangsheiraten keine Kosmetik ist, sondern überfällig - und die Grünen mit ihrer Kritik unrecht haben.


Zwangsheiraten sind nicht erlaubt in Deutschland. Sie können als „schwere Nötigung“ juristisch geahndet werden, die Höchststrafe liegt bei fünf Jahren. Die Grünen kritisieren deshalb die gesetzliche Neuregelung der Zwangsheirat als bloße „Kosmetik“, die heute von der schwarz-gelben Bundesregierung - als Teil des Gesetzentwurfs zur Integration - beschlossen worden ist. Tatsächlich ändert sich am Strafmaß nichts. Doch die Zwangsheirat wird zum eigenen Straftatbestand – und das ist keine Kosmetik, sondern überfällig. Sie wird endlich ausdrücklich verboten. Der humane Gehalt der gesetzlichen Neuregelung wird zudem in einer zweiten Neuregelung deutlich: Junge Frauen, die hier ausgewachsen sind und in der Türkei in eine nicht gewollte Ehe gedrängt werden, erhalten ein Rückkehrrecht nach Deutschland, das zehn Jahre gilt. Bisher ist es nach sechs Monaten erloschen.

Recht wirkt auch durch seine Normen, nicht nur wegen der Strafen, die es verhängen kann. Darauf haben die Grünen Wert gelegt, als sie um schwierige gesetzliche Neuregelungen wie die Vergewaltigung in der Ehe oder zur elterlichen Ohrfeige gekämpft haben. Vergewaltigung in der Ehe oder Gewalt gegen Kinder seien durch andere Gesetze ohnehin unter Strafe gestellt, lauteten damals die Einwände. Und problematisch sei überdies, dass die juristische Verfolgung regelmäßig an der Lebenswirklichkeit scheitern würde. Beide Einwände hatten ihren wahren Kern, so wie es einen wahren Kern hat, dass die Strafverfolgung der Zwangsheirat, ob nun als Nötigung oder als eigener Straftatbestand, schwierig ist und bleiben wird.

Muslimische Frauen und Mädchen: Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung. - Foto: AFP/Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten

Trotzdem war es richtig, die Vergewaltigung in der Ehe und körperliche Gewalt als Erziehungsmittel ausdrücklich zu verbieten. Heute bezeichnen wir es als „rückständige Erziehungsmethoden“, wenn türkische oder deutsche Väter ihre Söhne prügeln. Darin spiegelt sich auch die normative Wirkung von Recht und Gesetz. Es ist noch nicht sehr lange her, dass der Satz „Eine Ohrfeige hat noch nie jemandem geschadet“ der deutsche Mainstream in Erziehungsfragen war. Oder die mütterliche Ankündigung „Warte nur, bis Vati nach Hause kommt“ als Ankündigung einer Tracht Prügel verstanden werden musste.
Das ausdrückliche Verbot von Zwangsheiraten kann einen ähnlichen Wandel einleiten, weil es die Mädchen und Frauen stärkt, die potentiell oder tatsächlich Opfer von Haltungen werden, die ihre Eltern aus ihren kulturellen Traditionen mitbringen. Erzwungene Ehen verletzten den Kern des freiheitlichen Rechtstaates, sie widersprechen Artikel 1, 2 und 3 des Grundgesetzes. Die Gleichgültigkeit, mit der die so genannte Mehrheitsgesellschaft über Jahrzehnte hingenommen hat, dass mitten in unserer Gesellschaft Grundrechte verletzt werden, ist eine der wichtigsten Ursachen für unsere Integrationsprobleme. Denn zur Integration in unser Werte- und Grundrechtssystem kann doch nur glaubhaft auffordern, wer ihre Verletzungen nicht tatenlos hinnimmt.
Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung waren und sind junge muslimische Mädchen. Eine jahrzehntelange Dickfelligkeit vereint die „Multikultis“ auf der rot-grünen Seite und die schwarzen Realitätsverweigerer, die den Tatbestand der Zuwanderung zu lange geleugnet haben. Die einen dachten: Wird schon alles gut gehen. Die anderen: Die werden schon wieder fortgehen. Entgegengesetzte Haltungen, doch gleiche Wirkung. Migranten wurden weder gefordert noch gefördert. Und erst recht nicht Migrantinnen.
Sie stehen wie niemand sonst im Feuer der Konflikte zwischen tradierten Rollenerwartungen ihrer Familien und den Selbstbestimmungsversprechen unserer Gesellschaft. Sie haben am meisten zu verlieren, wenn sie sich ungewollten Rollenwartungen nicht entziehen können. Sie sind aber auch die Hoffnungsträgerinnen der Integration. Denn sie haben am meisten zu gewinnen, wenn sie gelingt. Nämlich die Freiheiten, die ihren deutschstämmigen Schwestern selbstverständlich sind, die selbst bestimmte Entscheidung über Berufswahl, Liebe, Ehe, Kinderwünsche. Deshalb ist das ausdrückliche Verbot der Zwangsheirat richtig. Nicht nur als Botschaft an diese Mädchen und Frauen, sondern als eine an alle Menschen in diesem Land gerichtete Aufforderung zur Achtung unserer Grundwerte."
Exotic Morocco. Marrakesh. Veiled Women./Steve Evans from India and USA/Creative Commons Attribution 2.0 Generic /Wikimedia Commons

Zwangsehen: Bund verbessert Opferschutz
zdf.de / Mit Material von dpa, dapd und afp


"...So sollen Zwangsheiraten künftig unter Strafe gestellt werden. Es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Bisher können Zwangsehen nur als schwere Nötigung geahndet werden. Die Höchststrafe liegt zwar schon jetzt bei fünf Jahren, doch mit der Neuregelung wird eine juristische Verfolgung leichter. Opfer sollen besser geschützt werden: Wer im Ausland zur Heirat gezwungen wird, soll ein Rückkehrrecht bekommen. Auch Scheinehen sollen schärfer bekämpft werden. Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht soll ein Partner erst nach drei Jahren Ehe erhalten. Derzeit liegt die Grenze bei zwei Jahren...

....Grüne: Reine Kosmetik
Kritk aus den Reihen der Opposition ließ nicht lange auf sich warten. Die Grünen nannten speziell den Gesetzentwurf der Koalition gegen Zwangsheirat unnütz: "Zwangsheirat ist heute schon strafbar", sagte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. "Das ist kosmetische Gesetzgebung."

Beck verlangte, wer das Problem stärker angehen wolle, müsse den Opferschutz verbessern. Er warf der Koalition vor, mit geplanten Sanktionsverschärfungen gegen Integrationsunwillige von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. "Das Reden über Sanktionsmöglichkeiten ist ein Ablenkungsmanöver, weil gleichzeitig Mittel für die Integrationskurse gekürzt werden."



Härtere Gesetze für Integration
Autor: Siegfried Scheithauer (afp,dapd,dpa,epd)/DW.de

"...Rückkehrrecht für Opfer von Zwangsheirat    

Wie angekündigt widmete sich das Kabinett auch dem Schutz ausländischer Frauen und Jugendlicher gegen Zwangsheirat und dem heiklen Thema Scheinehen. Zwangsverheiratungen galten bisher als "qualifizierte Nötigung". Nach den Vorhaben der Koalition soll die Verheiratung junger Migrantinnen gegen ihren Willen nun ein eigener Straftatbestand werden. Es drohen sechs Monate bis fünf Jahre Freiheitsentzug. Auch der Versuch soll strafbar sein.
Die Aufnahme ins Strafgesetzbuch ist für die liberale Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger eine "Klarstellung", daher auch ein "Fortschritt". Sie räumte allerdings ein, dass damit wohl "keine größere Abschreckung" verbunden sei. Auch die Strafverfolgung sei schwierig, da die Polizei auf Hinweise aus dem Umfeld des Opfers angewiesen bleibe, und in diesem Umfeld werde eine Zwangsheirat nicht als Unrecht bewertet. Zentrales Element - so Leutheusser-Schnarrenberger - bleibe die Einführung eines Rückkehrrechts für Frauen, die im Ausland in eine Ehe gezwungen worden seien.

Ausländische Familie mit Kinderwagen bummelt durch Berlin (Foto: dpa/Archiv)
Vor allem in den deutschen Großstädten haben immer mehr Bürger mittlerweile ausländische Wurzeln/Härtere Gesetze für Integration 
 Andere Koalitionspolitiker sprachen von einem deutlichen Signal, dass Zwangsverheiratung "kein Kavaliersdelikt" sei. Den Eltern müsse die "kriminelle Dimension" klar vor Augen geführt werden. 
Zur Bekämpfung so genannter Scheinehen hat sich die Regierung zudem darauf verständigt, dass eine Ehe mindestens drei Jahre bestehen muss, bevor sie einem Ehepartner aus dem Ausland zu einem eigenen "Aufenthaltstitel" verhilft. Bislang lag die Grenze bei zwei Jahren. In Härtefällen sollen Betroffene dieses Recht auch schon schneller erhalten, zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, so der Entwurf der christlich-liberalen Koalition..." 
Wedding in Kounkane, Upper Casamance, Senegal)/ Dorothy Voorhees/ Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 
/Wikimedia Commons

Fotos: Thank you! Dankeschön!
1. Frau mit Kindern aus Senegal /Bernard bill5  / Creative Commons Attribution-Share Alike/ Wikimedia Commons/ 
GNU Free Documentation License, Version 1.2    
2. Muslimische Frauen und Mädchen: Die ersten und schwächsten Opfer von Integrationsverweigerung. - Foto: AFP/Zwangsheirat: Endlich ausdrücklich verboten/Tagesspiegel.de  
3. Exotic Morocco. Marrakesh. Veiled Women./Steve Evans from India and USA/Creative Commons Attribution 2.0 Generic /Wikimedia Commons 
4. Vor allem in deutschen Großstädten haben immer mehr Bürger mittlerweile ausländische Wurzeln / Härtere Gesetze für Integration  
5. Wedding in Kounkane, Upper Casamance, Senegal)/
Dorothy Voorhees/ Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 
/Wikimedia Commoms
....

Donnerstag, 24. Juni 2010

FOCUS AFRICA - Nicht nur ein Blick auf die Fußball-WM 2010 (5): ANGRIFF vor ANPFIFF

 English version: Attention & Respect: Encounter: A beerbottle, a young African man and little old me


Zum Warten auf den Bus hatte ich mich an diesem heißen Spätnachmittag auf die Bank im dafür vorgesehenen Häuschen gesetzt. Um mich herum flutete der Berliner Berufsverkehr, jede Menge Deutschland-Fahnen, -Flaggen und Fläckchen bestimmten das Straßenbild in Berlins City wenige Stunden vor dem Anpfiff des WM-Spiels Ghana gegen Deutschland.

Irgendjemand hatte auf einem Sitz im Wartehäuschen eine leere Bierflasche stehen gelassen. Na, dachte ich gerade noch, hoffentlich wirke ich jetzt nicht wie 'ne alte Schnapsdrossel - so müde und erschöpft wie ich mich fühlte in der asphalt-flirrenden Hitze und den Abgas-Odeur der Großstadt.

Der junge Schwarze Mann kam, sanfte Kurven - zum Ausweichen vor den Passanten und den Straßenschildern - ziehend, auf einem Fahrrad auf dem Bürgersteig auf mich zu. Vor mir hielt er an und fragte, ob das meine Flasche sei, was ich ich sofort verneinte. Also war ich doch tatsächlich mit dieser doofen Bierflasche in offensichtliche Verbindung zu bringen, dachte ich noch - als ein Bus um die Ecke bog. "Nein, die können Sie mitnehmen!" rief ich dem jungen Mann noch zu und stand schnell auf, um die paar Schritte zur Haltestelle zu gehen, meine Gedanken schon beim Einsteigen und meiner nächsten Destination.

"Bitte, nein!", sagte der junge Afrikaner ganz sanft und mit einem schüchternen Lächeln, dazu machte er eine beschwichtigende Handbewegung. "Bitte, keine Angst haben, ich nehme nur die Flasche!" Ich muß ihn wohl ziemlich entgeistert angeschaut haben, weil ich zunächst seinem Gedankengang gar nicht folgen konnte - und weil ja der Bus schon vorfuhr. "Nein, ich habe keine Angst! Ich wollte nur nach meinem Bus schauen....!," habe ich schnell geantwortet - und spürte schon im gleichen Augenblick die Unmöglichkeit, die Ungeheurlichkeit dieses Moments, der einen Wimpernschlag später auch schon verflogen war.

Die Busfahrt über versuchte ich zu ergründen, was denn dieses Besondere eigentlich gewesen war. Ich hatte einen jungen Afrikaner in Berlin gesehen, der offensichtlich die Straßenpapierkörbe nach Flaschen absuchte. Das tun hier mittlerweile viele Menschen - und lange schon sind das keine offensichtlich Obdachlosen mehr: Rentnerinnen, sauber und geschmackvoll angezogen, Kinder, die sich was kaufen wollen außer der Reihe und ganz normale Mittelstandsmänner, die dann schnell so tun, als sei ihnen was in den Papierkorb gefallen, das sie jetzt suchen müssen.

Gut, Afrikaner waren mir bislang in diesem Zusammenhang noch nicht aufgefallen, aber das war ganz sicher nicht von Bedeutung. Tatsache war aber, dass der junge Mann ganz offensichtlich davon ausgegangen war, dass ich Angst vor ihm hätte, weil ich schnell aufgestanden war, als er sich mir und der Bierflasche genähert hatte. Ob er meine schnelle, verlegene Entgegunung überhaupt gehört hatte, konnte ich nicht mit Sicherheit sagen. Eines aber wusste ich genau: Was immer ich auch sonst gesagt hätte, es wäre nicht ausreichend gewesen. Es hätte Zeit gebraucht und ein richtiges Gespräch, um sich soweit anzunähern, dass eine Verständigung jenseits der Betroffenheit und der Angst - welcher Art auch immer - möglich gewesen wäre.
Ich hätte mich gern mit ihm unterhalten, dem jungen Mann aus Afrika, denn er muß ein sehr netter und sensibler Mensch sein: hat er mich fremde, ältere Frau doch vor meiner eigenen Angst (vor ihm!) schützen wollen.

Als ich noch in der selben Nacht am PC über folgende Meldung der Polizei stolperte, habe ich die Komplexität, den Irrwitz dieses besonderen Augenblicks am Nachmittag aber erst wirklich erkannt: ER hätte es sein müssen, der sich fürchtet. Und ich hätte es sein müssen, die sich ihm zuwendet - um ihn zu schützen. Und/oder um ihm zu erklären, warum es so ist, dass sich junge Afrikaner und andere Schwarze Menschen (mitten im geschäftigen Berlin, umgeben von unzähligen Leuten in der abendlichen U-Bahn) in meinem Land fürchten müssen. Vor verrückten Schlägern - und vor der Deutschen Polizei.

Aber ich kann es mir ja selber nicht erklären.

Pressemeldung der Berliner Polizei

Eingabe: 23.06.2010 - 12:40 Uhr

Mann fremdenfeindlich beleidigt und geschlagen

Mitte

# 1849

Zwei Männer haben gestern Abend in Gesundbrunnen einen Afrikaner fremdenfeindlich beleidigt und anschließend geschlagen.
Anlässlich des bevorstehenden WM-Vorrundenspiels zwischen Deutschland und Ghana machten die beiden betrunkenen Männer im Alter von 42 und 43 Jahren im U-Bahnabteil der Linie U8 lautstark abfällige Bemerkungen über Afrikaner und beleidigten den ebenfalls im Waggon sitzenden 31-Jährigen wegen seiner Hautfarbe. Als der Mann den Zug gegen 20 Uhr 15 am U-Bahnhof Osloer Straße verlassen wollte und dabei einen der beiden „Pöbler“ anrempelte, schlugen die Täter mit Fäusten auf ihn ein. Nachdem die Schläger sich anschließend entfernen wollten, zerschlug der 31-Jährige eine Flasche, verfolgte und bedrohte sie. Alarmierte Polizeibeamte beruhigten kurz darauf die Situation und nahmen die 42- und 43-Jährigen fest. Nachdem bei ihnen eine Blutentnahme vorgenommen wurde, kamen sie wieder auf freien Fuß. Gegen sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ermittelt. Gegen den 31-Jährigen, der sich (?) bei den Angriffen leicht verletzte, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung eingeleitet.

Mein Kommentar: 
Eigentor und Abpfiff für Deutschland!!!




Mittwoch, 2. Dezember 2009

AFRIKA AKTUELL (7)

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Nostra Immagine / Afrikanische Gegenwartskunst / Twice 25 & Rinina 25 / GNU-Free Documentation License 1.2 / Wikimedia Commons


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Gefängnis für Flüchtlingsretter: Die 44 aus den Wellen
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Kultur in und aus Afrika:

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Koch des Jahres: Nordafrika in Hamburg
Jazzfest Berlin: Lionel Loueke ist ein Wunderkind
Die schwere Kunst der leichten Reportage: Mit Dennis um die Welt
Wälder für Afrika
Schriftstellerin durchquert allein ganz Afrika

Dienstag, 24. November 2009

THEMA: KINDER - 20 Jahre Kinderrechtskonvention der UNO

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Kindersoldat,Afrika,Elefenbeinküste 2007/Bild und Foto: Gilbert G. Groud/Creative Commons License 2.0/Wikimedia Commons
Erst zwanzig Jahre ist es her, dass Kinder nach einem Beschluss der Vereinten Nationen offiziell Rechte haben, die weltweit geachtet werden sollen.
Nun, werden einige Leute sagen, wozu brauchen Kinder Rechte, wer soll sie denn einfordern - und warum? Schließlich sind wir - wie alle Generationen zuvor - auch ohne Kinderrechte großgeworden. Es gelten schließlich überall die allgemeinen Menschenrechte und hier zusätzlich das deutsche Grundgesetz.

So leicht können wir es uns heute nicht mehr machen, denn die Einforderung von Rechten bezieht sich ja nicht allein auf die sogenannte zivilisierte Gesellschaft, sondern schaut vor allem überall dort hin, wo Kinder Krieg und Gewalt ausgestezt sind,  wo Kinder schwerste Arbeit verrichten müssen und/oder sich obdachlos und ohne Schutz Tag für Tag durchschlagen müssen.


Jedes zweite Kind ohne wichtige Lebensgrundlagen
Unicef - Jedes zweite Kind hungert
Jedes zweite Kind lebt in Krisengebieten
"Verwundbarkeit" steigt durch Krise - Kinderarbeit in 58 Ländern - n-tv.de
Debatte 20 Jahre Kinderrechte: Das Recht auf Kinderarbeit

Und auch in Europa, in den Vereinigten Staaten und anderen "modernen" Gesellschaften sind Kinder ganz unglaublichen Härten ausgesetzt. Oft beginnt das Grauen direkt in der Wohnung nebenan:

Urteil in NRW: Bewährungsstrafe für Eltern nach Kinder-Martyrium - Kinderhilfe: "Justizskandal"

Kinderarmut in Deutschland - Ein Fall für Karlsruhe - n-tv.de
Die Kindheit wird abgeschoben
"Kinderlounges" bieten Zuflucht und Wärme
Kinder als Pfleger

Kindesvernachlässigung  - also: Nichtachtung der Rechte von Kindern - hat hierzulande viele Gesichter, und vor allem spielt sie sich auch in Haushalten ab, wo Bildung, Zeit und Geld
eigentlich ausreichend vorhanden ist:


Zwei Promille: Siebenjähriger in Klinik
Verloren in der virtuellen Welt

Dass eine schwere Kindheit Narben hinterlässt, die ein Kind lebenslang zeichnen können, zeigen u.a. die vielen Therapien, die Menschen heute hierzulande machen, um die Erlebnisse aus ihrer frühesten Kindheit endlich zu bewältigen.
Und: Auch in unserem Land, in dem das Zusammenleben ja durch das Grundgesetz geregelt ist, gilt das Recht der Kinder nicht für alle gleich, bzw. gibt es Niemanden, der den Betroffenen zur Seite steht:


Grundgesetz ohne Kinderrechte: Nichts darf man!
Geschichte eines politischen Versagens
UN-Kinderrechtskonvention gilt in Deutschland nur unter Vorbehalt
20. Weltkindertag: Die schwierige Suche nach Pflegeeltern
Heimkinder: „Ich konnte nicht mehr weinen“ - Hessen - Rhein-Main-Zeitung - FAZ.NET

In England und Australien ist man in diesen Tagen gerade sehr bemüht, sich bei bei den "Kindern" zu entschuldigen, die man jahrzehntelang aus dem Mutterland in die Kolonien deportiert hatte, um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: kostenlose, ausgelieferte Arbeitskräfte und später möglichst viele weiße Nachkommen im fernen Land der Aboriginals. Denen hat man  - wie auch den Ureinwohnern in Kanada - übrigens noch böser mitgespielt: Deren Kinder wurden zwangsweise aus den Familien geholt und in sehr weit entfernten, "christlichen" Schulen und Erziehungsheimen jahrelang gefangengehalten.


Deportation von britischen Kindern: Die vergessenen Australier
Australien entschuldigte sich für Misshandlungen
Australien - Premier entschuldigt sich bei Heimkindern
Premier Rudd entschuldigt sich bei "vergessenen Australiern"
Heimkinder: Australien bittet wieder um Verzeihung
England: Vom Waisenhaus in die Zwangsarbeit
Waisentransport nach Australien: Vom Empire verstoßen

Auch unsere nächsten Nachbarn haben wohl ihre Probleme mit der Akzeptanz der Kinderrechte, und in den USA ist die Lebenssituation von Kindern - besonders wenn sie den ethnischen Minderheiten angehören und/oder arm sind - oft katastrophal:

Kein Prügelverbot in Frankreich: Vorhaben stößt auf Ablehnung
Frankreich: 13-Jähriger plante Massaker an Schule

Armutsrate erreichte in USA Rekordhoch - Politik - Aktuelle Nachrichten - Vorarlberg Online
Mit Elektroschocker gegen bockiges Kind
Reportage Elendsviertel: Fünf Stationen bis zur Gewalt
Amerika: Jugendgewalt macht Chicago unsicher - Video-Nachrichten - Video - FAZ.NET
15-Jährige vor Gericht: Mädchen tötet Neunjährige "nur so"
Straffällige US-Teenager: Nur noch im Gefängnis sterben
NETZEITUNG POLITIK AUSLAND NACHRICHTEN: Zigtausende Kinder ohne Verfahren in Haft

Kinder, die nicht damit rechnen können, jemals wieder aus dem Gefängnis zu kommen - das kann man sich in unseren Breiten eigentlich gar nicht vorstellen. Hier ist heute ein 16-jähriges Mädchen zu  sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt worden, weil sie an ihrer Schule mit den Vorbereitungen zu einem Massaker begonnen hatte. In Deutschland bedeutet das: Berufsausbildung, Psychotherapie und Eingliederunghilfen nach verbüsster Haft. Im Norden Afrikas gibt es viele gleichaltrige Mädchen, die wie Sklaven rund um die Uhr schuften müssen oder die ihrem ungewollten Ehemann Kinder und ein bequemes Leben verschaffen müssen, ganz nach Tradition:

Das Schicksal der "Petites Bonnes" in Marokko | Afrika | Deutsche Welle | 18.09.2009
Flucht vor Zwangsheirat in Nordafrika - Einfach nur leben - Panorama - sueddeutsche.de
Marokkanisches Mädchen von Vater erstochen - Politik - Aktuelle Nachrichten - Vorarlberg Online
Mädchen stirbt bei Geburt: Zwangsehe endet tödlich | Frankfurter Rundschau - Politik
Beschneidung - Wüstenblumen in Deutschland | Afrika | Deutsche Welle | 28.09.2009
Zwei Frauen gegen Beschneidung: Erst Feindin, dann Freundin

Weiter südlich auf dem afrikanischen Kontinent ist die Not oftmals eine andere: Unglaublich viele Kinder müssen allein und schutzlos aufwachsen, weil ihre Familien der AIDS-Epedemie zum Opfer gefallen sind. Viele Kinder sind allerdings selbst an AIDS erkrankt oder müssen mit dem HI-Virus von Geburt an leben. Und das mittlerweile in vielen Gegenden unserer Welt:

Aids: Mit dem HI-Virus geboren | Wissen | ZEIT ONLINE
Mit dem Aids-Erreger geboren
Trotz sinkender Zahlen: Es sterben zu viele Kinder - Panorama | STERN.DE
Krankheiten größtenteils behandelbar - Jährlich 8,8 Millionen tote Kinder - n-tv.de

Jeder, der Kinder mag und ihnen gerne helfen möchte, kann sich bestimmt nur schwer vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich auf Kosten hilfloser Opfer bereichern. Gerade heute wurden in China zwei Manager schuldig gesprochen und hingerichtet, die aus reiner Habgier giftiges Milchpulver hergestellt und verkauft hatten:

Verantwortliche für Milchskandal hingerichtet
Giftiges Milchpulver: China richtet zwei Verurteilte hin
Milchpulver-Skandal in China: Zwei Todesurteile vollstreckt
Chinesische Kinder: Geraubtes Glück | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
Über die Hälfte aller unterernährten Kinder lebt in Südasien
Mehr Worte als Taten am «Hungergipfel»

Gewalt, Krankheit, Gefangenschaft, Hunger, Sklaverei - haben Sie geahnt, wieviel Kinderelend es in unserer zivilisierten Welt doch gibt? Wieviel Schmerzen, Verzweiflung, Angst und Leid gerade die Schwächsten unter uns erleiden müssen? Und dass oft alle diese Schrecklichkeiten zusammenkommen - dann nämlich wenn Kinder dem Krieg ausgeliefert sind:

Afghanistan für Kinder "schlimmster Platz der Welt": UNICEF schlägt Alarm
Bagdad: 60 Kinder nach Anschlägen vermisst | Frankfurter Rundschau - Politik
Alltag in Kundus: Wir sind da
Afghanistan - "Für Kinder der schlimmste Platz der Welt“


Was meinen Sie: Lässt sich vielleicht doch etwas dagegen tun, gegen das Elend der Kinder hier und in allerWelt? Sie und ich, wir könnten aufmerksamer sein im Alltag, hinschauen und hinhören, wenn Kinder mißhandelt oder mißachtet werden. Ihnen offen - oder auch durch einen Anruf bei Hilfsorganisationen, Ämtern oder der Polizei - und mit einem Lächeln helfen. Und wenn wir mehr tun wollen und können, dann gibt es überall Möglichkeiten und Aufforderungen dazu - ganz besonders in der Weihnachtszeit:

Hilfsprojekt: "Ich möchte den Jugendlichen so gerne ein Stück Himmel geben" | Gesellschaft | ZEIT ONLINE
Schuhwerk für die Armen: Adidas bastelt den Ein-Euro-Turnschuh

Montag, 31. August 2009

Was hat der schöne Silvio mit dem toten George zu tun?

Wenn Sie beim Durchblättern ihrer Morgenzeitung eine neue Schlagzeile lesen über Silvio Berlusconi, dann geht es Ihnen wahrscheinlich ähnlich wie mir: Wenn ich gut drauf bin, lese ich schnell mal drüber, um zu erfahren, was er sich denn nun schon wieder geleistet hat, der Schwerenöter. Ansonsten blättere ich einfach weiter und verschwende keinen Gedanken mehr an den anstrengenden, italienischen Macho.
Ganz falsch, habe ich feststellen müssen. Weil sich nämlich hinter so mancher offensichtlich nur unterhaltsam gemeinten Meldung etwas verbirgt, das man unbedingt wissen sollte. Ein Beispiel?! Bitte schön, hier ein Blick auf die Schlagzeilen der letzten Woche:


Schadensersatzforderung: Berlusconi außer Kontrolle | Frankfurter Rundschau - Politik
Krise zwischen Heiligem Stuhl und Berlusconi - heute.de Nachrichten
NETZEITUNG POLITIK AUSLAND NACHRICHTEN: Vatikan empört sich über Berlusconi
Rosenkrieg in Italien - Ist Silvio Berlusconi reif für die Sex-Klinik? - Leben & Stil - sueddeutsche.de
"Berlusconi müsse sich vor dem Parlament zu den Anschuldigungen äußern, fordert etwa der katholische Bischof Domenico Mogavero, Präsident der italienischen Bischofskommission für Rechtsfragen, in der Zeitung Repubblica."
- schreibt hier "sueddeutsche. de", und natürlich wird jeder glauben, hier handele es sich ganz klar um eine Anprangerung der moralischen Verfehlungen des Herrn Berlusconi von Seiten der Kirche. Sicher, das mag schon sein. Aber das Ganze bekommt eine ganz andere Tonlage, wenn man dann in der "Tagesschau" hört oder liest ("Tagesschau.de"):
Italien: Neue Eiszeit zwischen Regierung und Vatikan | tagesschau.de
" "Avvenire" ist die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, sie veröffentlicht seit Wochen kritische Artikel über die sexuellen Ausschweifungen Berlusconis. Vor allem aber kritisiert sie den Umgang Italiens mit Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. Nachdem vor rund einer Woche etwa 70 Menschen die Überfahrt nicht überlebt hatten, hieß es dort, der Westen schaue genau so weg wie während des Holocaust. Im katholischen Italien haben solche Äußerungen viel Bedeutung."
Da sind wir plötzlich - ganz ohne "Vorwarnung" - bei einem weit weniger amüsanten Thema, einem, dem wir sonst möglichst gar keine oder nur am Rande Beachtung schenken. Flüchtlinge aus Afrika, auf der Suche nach einem besseren Leben. Dass dieser Themenkreis höchst problematisch ist - ganz gleich von welcher Warte aus man ihn betrachtet - das weiß sogar unser vielbeschäftigter Freund Berlusconi, und deshalb hat er sich kürzlich auch was einfallen lassen:
Illegale Einwanderung in Italien ein Verbrechen - Politik - Aktuelle Nachrichten - Vorarlberg Online
Ab sofort geht es also statt ins "Auffanglager" ab in den Knast - und das nicht nur als Flüchtling, sondern auch als humanitär handelnder Einheimischer.
 "Wer illegal eingewanderten Personen eine Wohnung vermietet, muss mit einer Strafe von bis zu drei Jahren Haft rechnen.(...)
Um Scheinehen zwischen Italienern und Migranten zu bekämpfen, muss der ausländische Ehepartner eines italienischen Bürgers mindestens zwei Jahre lang in Italien gelebt haben, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten."
Und damit das ganze auch richtig funktioniert und niemand  übersehen wird, gibt es jetzt auch ganz legal Bürgerwehren, die sich schon um alles kümmern werden in Italien:
NETZEITUNG POLITIK AUSLAND NACHRICHTEN: Bürgerwehr in Italien legalisiert
Und Dirk Schümer schreibt dazu in "FAZnet":
"Italien ist nun der erste europäische Staat, in dem nicht nur die illegale Einwanderung, sondern auch der illegale Aufenthalt als Straftatbestand fixiert ist. Wer im Land ohne gültige Papiere angetroffen wird, kann abgeurteilt oder sofort ausgewiesen werden. Innenminister Maroni von der Lega Nord feiert sein neues Law-and-Order-Paket als Triumph über jahrelanges Laissez-faire. Wie viele Menschen aus allen Erdteilen nun von heimlichen („clandestini“) zu illegalen Bewohnern Italiens gemacht wurden, ist offen."
Schümer beschreibt auch sehr treffend, wie sich die Stimmung im Land in den letzten Monaten aufgeheizt hat und dass sich viele Italiener gegen weitere unkontrollierte Zuwanderung wehren.
Vorausgegangen waren in den letzten Monaten nicht nur die lautstarken Proteste der Bewohner der kleinen sizilianischen Insel Lampedusa und ihrer unfreiwilligen "Gäste", die sich gemeinsam u.a. gegen die völlig chaotischen und menschenunwürdigen Zustände in dem dortigen Flüchtlings-Auffanglager  beschwerten. Die letzten Meldungen von Italiens schönen Mittelmeerstränden waren noch weitaus katastrophaler, wie auch "Spiegel online" berichtete:
Flüchtlingsdrama: Mehrere Kapitäne ignorierten Schiffbrüchige - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
 "Im Mittelmeer spielen sich immer wieder Flüchtlingsdramen ab. Migranten machen sich mit seeuntauglichen Booten auf den Weg, oft kommen sie völlig entkräftet an Land, immer wieder gibt es viele Tote. Aus Libyen erreichen kaum noch Boote Lampedusa, weil Tripolis und Rom sie seit einigen Monaten in einer gemeinsamen und höchst umstrittenen Aktion in internationalem Gewässer abfangen und nach Libyen zurückbringen. In der Vereinbarung hat sich Libyen auch verpflichtet, die Kontrollen an den Küsten des Landes zu verstärken."

Flüchtlinge im Mittelmeer verdurstet: Eine wochenlanger Odyssee - taz.de
"Am schlimmsten: Niemand half den Flüchtlingen. Nur einmal habe ein Fischkutter Brot und Wasser hinterlassen. Das sei beispiellos: "Es ist alarmierend, dass diese Menschen 20 Tage lang im Mittelmeer drifteten, ohne dass ein anderes Boot anhielt und ihnen half. Das ist ein wirklich niederschmetterndes erstes Mal", so Boldrini.
Christopher Hein vom Italienischen Flüchtlingsrat ging weiter: "Da das Meer zwischen Lampedusa und Libyen Tag und Nacht überwacht wird, kann es einfach nicht sein, dass ein 12 Meter langes Boot so lange herumdriftet und niemand das merkt", sagte er. "Das bedeutet, dass man diese Menschen bewusst ihrem Schicksal überlassen hat."
- schreibt Dominic Johnson in der "taz".
Das erschreckt mich daran am allermeisten: Da entsteht - völlig unbeachtet von den Bürgern Europas - eine lautlose und offensichtlich sehr effiziente Maschinerie, die die "Eindringlinge" wirkungsvoll und völlig emotionslos abwehrt, damit erst gar nicht solch unschöne Flüchtlingsdramen in den Meldungen erscheinen müssen. Hab' ich nicht immer gedacht, die industriemäßige Entsorgung von "Untermenschen" wäre heutzutage gar nicht mehr möglich?! Ich habe dabei wohl vergessen, dass es ja auch um sehr viel Geld geht. Damit meine ich nicht mal das Geld, das die Flüchtlinge uns hier kosten würden, ich denke da eher an die Milliarden, die die Tourismusindustrie den Mittelmeerliebhabern Jahr für Jahr aus den Strand-Taschen zieht. Da ist es wohl auch kein Wunder, dass sich das "Problem" seit kurzem auch auf Griechenlands beliebten Ferien-Inseln bemerkbar macht:
Jugendliche Migranten auf Lesbos im Hungerstreik - Politik - Aktuelle Nachrichten - Vorarlberg Online

"Im Schutz der Dunkelheit kommen sie manchmal zu Hunderten. Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia, Äthiopien, Afghanistan, Iran und Irak. Jede Nacht landen sie in vollbesetzten kleinen Boote an der Ostküste der griechischen Insel Lesbos. Am 1. August war der 16-jährige Ahmad dabei. Vor vier Monaten verließ er Afghanistan. Mit 50 anderen Papierlosen setzte der 16-jährige Paschtune aus der nur zehn Kilometer entfernten Türkei nach Lesbos über. 500 Euro musste jeder für die Passage bezahlen. Doch sie endete vorerst im sogenannten Welcome Center von Pagani, einem der völlig überbelegten Lager, in die der griechische Staat alle Papierlosen zur Registrierung in sogenannte Administrativhaft sperrt."
 - beschreibt Christian Jakob von der "taz" die Situation vor Ort.
Flucht nach Europa: Administrativhaft im "Welcome Center" - taz.de
Die griechische Überfahrt

Ja, ich weiß. Es wird zuviel! Zuviel an Meldungen, zuviel an Flüchtlingen, zuviel an emotionaler Anstrengung beim Lesen. Es depremiert. Schließlich kann man ja ohnehin nichts dagegen tun. Man kann ja nicht helfen, und es sind ja so viele und sie werden immer mehr...Aber wo genau soll man aufhören, ab wo nicht mehr hinschauen? Ab wo gezielt weghören, wenn das Thema zur Sprache kommt?! Noch vor Georges, einem gebildeten jungen Mann mit besten Absichten, der sein Streben nach Glück auf so hässliche Weise mit dem Leben bezahlen musste? Entscheiden Sie selbst!
Erschütternder Bericht eines Flüchtlings: Anrennen gegen die Festung Europa
Gescheitert an der Festung Europa: Georges' Odyssee durch Afrika
Wie Europa sich abschottet: Die tödliche Flucht aus Afrika

Schon aufgegeben? Oder sollen wir uns erst abwenden an der Stelle, wo es zu politischen Willensbekundungen und europaweit gültigen Entscheidungen kommt?! Dort, wo wir ja vielleicht doch mitreden und mitentscheiden können...und müssten:
Flüchtlinge: EU will neue Zuwanderungsregeln | Frankfurter Rundschau - Politik
EU streitet erneut über Regeln für Flüchtlinge | Europa | Deutsche Welle | 25.08.2009
Last auf alle EU-Staaten verteilen - Neue Zuwanderungsregeln - n-tv.de
"Wir brauchen mehr Solidarität unter den EU-Ländern in Flüchtlingsfragen" | Europa | Deutsche Welle | 26.08.2009

Toll, dass Sie bis hierhin mitgekommen sind. Denn hier schließt sich auch wieder der Kreis: Was so frivol mit Silvio begonnen hat, endet mit einer Forderung des Vatikans, die wohl jeder unterschreiben kann:
 "Es sei eine Sache der Menschlichkeit, das Problem der Migranten nicht nur unter Ordnungs- und Sicherheitsaspekten zu behandeln, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Migrantenseelsorge, Erzbischof Antonio Maria Veglio, in einem Interview mit der Tageszeitung "La Stampa"."

Vatikan fordert internationales Schutzabkommen für Migranten - Politik - Aktuelle Nachrichten - Vorarlberg Online
Und sollten Sie bei Gelegenheit mehr erfahren wollen über die Zustände am Mittelmeer, die ja eigentlich auch unsere (EU-)Zustände sind, dann empfehle ich folgendes Dossier:
Armutsflüchtlinge aus Afrika - sueddeutsche.de

Über die Menschen, die sich da unter Lebensgefahr aufgemacht haben in unsere Welt, können Sie mehr erfahren, wenn Sie nicht weghören oder wegschauen beim nächsten Mal, wenn von ertrunkenen Flüchtlingen oder unmenschlichen Zuständen in den Lagern die Rede ist. Das ist schon eine ganze Menge, auf jeden Fall viel mehr, als die meisten tun!
Einen sehenswerten Spielfilm zum Thema gilt es auch noch zu empfehlen:

Der Film "Hotel Sahara" zeigt Flüchtlingsdramen

Voodoo-Altar in Benin

Voodoo-Altar in Benin
Foto: Voodoo-Altar 08/D. Schwarz/Creat. Comm. Lic. 3.0/Wikimedia C.

Nubische Pharaonen

Nubische Pharaonen
Foto: Wufei 07/Public Domain/Wikimedia Commons

Gegenwartskunst aus Afrika

Gegenwartskunst aus Afrika
Nostra Immagine / Twice 25 & Rinina 25 / GNU-Fr. Doc. Lic.1.2 / Wiki. Com.

Ein kleines Souvenir vielleicht?!

Afrikas Musik